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Der Sprawl oder warum ich deutsche Übersetzungen meide

„Bobby war ein Cowboy, und Eis war sein Geschäft, Eis von EIS, Elektronisches Invasionsabwehr-System.“
– William Gibson: Chrom brennt (Heyne, 31. März 2015 (?))

Google Translate?

Invasions-was-bitte? Wie meinen?
EIS oder ICE? - The Sprawl RPG (Image: Ardens Ludere)

EIS oder ICE? – The Sprawl RPG (Image: Ardens Ludere)

„Brich das EIS zwischen dir und deinen Zieldaten.“
– Der Sprawl: Ein Missionsbasiertes Cyberpunk-Rollenspiel Kickstarter (ProIndie/ Uhrwerk Verlag, Stand: 12.10.2017)

Durch Nachahmen wird es nicht besser.

Eine Vorbemerkung: Ich arbeite im Real Life im Bereich IT-Sicherheit.

Gestern Abend hatte ich das Vergnügen, mir das aktuelle Crowdfunding-Projekt der Uhrmacher genauer anzusehen. Ich las diesen EIS-Satz und dachte zunächst, was bei allen Cyberpunks wollen die von mir. Also noch einmal, zumal bei mir zunächst „Brich das Eis…“ ankam. Bin ich meschugge? Wer hat das übersetzt?

Aus ICE (engl. Intrusion Countermeasures Electronics) wird einfach mal ebenso EIS (Elektronisches Invasionsabwehr-System). Wow. Fachleute am Werk? Welche Invasion? Wo sind die angreifenden Armeen?

Update 12. /13. Okt. 2017: Irren ist menschlich und lehrreich!
Tagesaktuell aus dem Online-Duden: Invasion = „feindliches Einrücken von militärischen Einheiten in fremdes Gebiet; Einfall. Herkunft: französisch invasion < spätlateinisch invasio = das Eindringen, Angriff, zu lateinisch invadere (2. Partizip: invasum) = einfallen, eindringen; betreten.“
Ein Fremdwort mit einem anderen mehrdeutigen Fremdwort übersetzen, kann man demnach machen, muss man jedoch nicht. Beitrag entsprechend angepasst.

Zugegebenermaßen ist es ein paar Jahre (Dekaden?) her, dass ich die alten Cyberpunk-Sachen von Gibson las, aber an EIS kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern und selbst wenn, dann ist es meiner Meinung nach falsch akademisch (sprich: lebensfern, überflüss(erweise)) übersetzt oder zumindest irreführend.

In meiner Lebens- bzw. Arbeitswirklichkeit sagt niemand außer zu Lehrzwecken (Zentral-)Prozessor, sondern CPU (engl. Central Processing Unit). Niemand verwendet Invasionsabwehrsystem für ein IDS (engl. Intrusion Detection System). Auch die Wikipedia-Übersetzung Angrifferkennungssystem hörte ich im Alltag noch nie. Ähnliches gilt selbstverständlich auch für Intrusion Prevention Systeme (IPS). Invasionsvermeidungssystem? – Sorry, zumindest ein Stirnrunzeln und Missverständnisse sind meines Erachtens vorprogrammiert.

Diese Unart Fachbegriffe und auch Namen verwirrend zu übersetzen, scheint sich durchzusetzen.
In George R. R. Martins A Song of Ice and Fire (Das Lied von Eis und Feuer, Game of Thrones / GoT) vewandelt sich beispielsweise King’s Landing kurzerhand in Königsmund. Die erste Übersetzung der Romane setzte noch auf die Beibehaltung der englischen Namen. Littlefinger nicht Kleinfinger.
Spätestens die Fernsehserie Game of Thrones veranschaulichte das Problem rasch. Sofern ich mich richtig erinnere, stand auf einem Straßenschild King’s Landing. King’s Landing oder Königsmund – was denn nun? Entscheidet euch.

Ich bin für die Beibehaltung der originären Namen, denn spätestens sobald ich mich mit Ausländern unterhalte, muss ich zurück übersetzen. King’s Mouth? Nee, eher nicht so. Die Übersetzung von EIS zu ICE fällt vermutlich vielen leicht. Trickreicher wird es mit Elektronisches Invasions-Abwehrsystem…

Ich erinnere mich mich düster an Der Eine Ring oder gar Legend of the 5 Rings (L5R), zwei andere Übersetzungsglanzleistungen des Uhrwerk Verlags, der bei Der Sprawl (hier auf einmal Denglish) mitmischt. Nebenbei sowohl Der Eine Ring als auch die deutsche Übersetzung von L5R sind tot.

Die Übersetzung EIS bzw. Elektronisches Invasionsabwehr-System für ICE halte ich schlicht für irreführenden Pfusch bzw. unnötig. Dabei bleibe ich. Auf Grund meiner Erfahrungen mit der dt. Fantasy Age-Diskussion, die meines Erachtens solchen Schmu nicht bietet und die leidlichen Stellvertreterauseinandersetzungen kontaktierte ich gestern den Uhrwerk Verlag und ProIndie über Twitter direkt.

Der Austausch mit den Machern verlief für beide Seiten wenig erfreulich. So weit, so schlecht. Passiert. Ich werde wohl kein zahlender Kunde, Unterstützer des Projekts. Schade eigentlich, denn ich war willig und das Artwork hat was.

ICE „eigenwillig“ eindeutschen, aber Der Sprawl (engl. Ausbreitung(?)) „verdenglischen“? Für mich passt das nicht zusammen, das wirkt inkonsistent.

Wie würde ich das Übersetzungsthema angehen?

Es ist ein Crowdfunding, also eine Schwarmfinanzierung an der idealerweise eine Vielzahl von Interessenten und Unterstützern teilhaben. Zudem ist noch nichts gedruckt. Es gibt also ausreichend Möglichkeiten, dass Material zu überarbeiten. Die Crowd, also die Leute, die zu dem Projekt beitragen, sollten darüber abstimmen.

Ein Übersetzungsglossar wäre eine andere Alternative. Meine Meinung.

Ich kann Herrn Feinweber, dem ersten Kommentator auf Kickstarter, nur beipflichten: „Allerdings würde ich bei den Stretch Goals anstatt Druckbeigaben lieber zusätzliche Qualitätssicherung sehen, beispielsweise Fachkorrektorat, vielleicht sogar ein professionelles Übersetzungslektorat, damit das Endprodukt vielleicht schon in der ersten Auflage sprachlich wirklich hochwertig wird.“

Powered by the Apocalypse (PbtA) und auch Cyberpunk-Rollenspiele wie The Sprawl liegen mir am Herzen. Eine weitere Verbreitung des Systems und auch des Genres begrüsse ich grundsätzlich. So jedoch nicht. Ich bleibe lieber beim Original. Ich bin raus. Viel Erfolg.

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20 Kommentare

  1. Das Problem liegt zumeist darin, dass die Übersetzer versuchen das Original wortgetreu abzubilden.
    Das klappt nicht. Was sich auf Englisch cool anhört wirkt gestelzt auf Deutsch. Bei Spielregeln ist das noch zu ertragen, sobal es sich um Geschmackstext (Flavor Text) handelt wirk es gruselig.
    Ich bin da ganz bei Dir was die Übersetzung von Namen, seien es Personen oder Orte betrifft.

    Allerdings hat die die Übersetzung von Namen auch eine alte Tradition in Deutschland: Baggins vs. Beutlin und Shelob vs. Kankra.

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  2. Nunja, was soll ich dazu sagen. Die Übersetzung für ICE wurde aus Gibson’s Neuromancer übernommen. Ich persönlich fand sie schon immer sehr cool und nahe am Original–eben weil die Konnotation zu tatsächlichem Eis und dem (auch bei Gibson) verwendeten Begriff des „EIS schmelzen/melting ICE“ erhalten bleibt.

    Andere Leute, andere Meinungen. Jemanden deswegen als ahnunglosen Pfuscher zu bezeichnen und dann beleidigt sein, wenn Gegenwind kommt–gut, das kann man so machen. Warum man das tut und sich an dem Thema dann so aufschaukelt, werde ich nie verstehen. Muss ich aber auch nicht. ;-)

    Wir haben uns bei der Übersetzung und dem Lektorat viele Gedanken gemacht. Ob man die Qualität nur anhand des Klappentextes bewerten kann, lasse ich mal dahingestellt.

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    • Popcorn!

      Genau: „Andere Leute, andere Meinungen.“!!!

      Als Obskurer, der oft nicht mit der Meute pfeift, bin ich mittlerweile Gegenwind gewöhnt.

      Noch einmal und ganz laaangsam zum Mitschreiben und Mitdenken:
      Aus ICE EIS zu machen, halte ich aus genannten Gründen für Pfusch. Im Blogbeitrag gibt es genügend Referenzen zu analogen (Fach-)Begriffen. Ansonsten schlage ich vor, zu googlen oder sich mit Leuten aus der Branche zu unterhalten.

      „… ahnunglosen Pfuscher zu bezeichnen“ oder gar „beleidigt sein“
      Auch wenn „bei der Übersetzung und dem Lektorat viele Gedanken gemacht“ wurden, nehme ich mir das Recht besagter anderer Meinung zu sein heraus. Ferner bitte ich genauer zu lesen und nicht Dinge zu kolportieren, die so nicht geschrieben wurden. Danke.

      Qualitätsbedenken sind offenbar ein Thema, wenn man meine Kritik und die Kommentare auf KS (siehe obiges Zitat) sowie Twitter („… der Text insges. hat aber einen seltsamen Klang. Eine „zu wörtliche“ Übersetzung für meinen Geschmack.“) liest. Die Sache ist ganz einfach. Man kann sich dem stellen. Selbstverständlich kann man das auch lassen.
      Es steht jedem frei, das Projekt zu unterstützen oder davon abzusehen. Abgesehen von dieser „etwas kritischen Werbung“ werde ich es lassen.

      Wie gesagt: „Andere Leute, andere Meinungen.“
      Viel Erfolg.

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  3. Hm, ich kannte den Original-Ausdruck ICE nicht, daher habe ich mit der Übersetzung wenig Probleme. Es handelt sich hierbei ja nicht um einen echten technischen Begriff, sondern um ein Kunstwort, wenn ich das richtig sehe.

    Die IT ist kein gutes Beispiel, wenn es um Deutsch/Englisch geht. Wörter wie „Compilerbau“ mischen deutsch und englisch mitten im Wort. Auf der Arbeit rede ich im Substantiv unübersetzt von „Compiler“, als Verb greife ich dann aber zum mehr oder weniger deutschen Wort „kompilieren“.
    Abkürzungen wie DVD oder LCD sprechen die meisten aus, als wäre es eine deutsche Abkürzung), bei IT wiederum sprechen die meisten die Buchstaben englisch aus.

    Konsistenz heißt für mich eher, nicht ICE und EIS in der Übersetzung zu verwenden. Und konsequent jeden Ausdruck zu übersetzen oder eben kein Kunstwort und keine Eigennamen zu übersetzen, muss jetzt auch nicht unbedingt die beste Lösung sein.
    Hier muss dann Wort für Wort abgewägt werden, ob eine mögliche Übersetzung passender ist als der Originalbegriff. Da sich eine Übersetzung vor allem an die richtet, die mit dem englischen Original Schwierigkeiten haben oder nicht zu viele Anglizismen in ihrer Rollenspielrunde verwenden möchten, ist es denke ich schon sinnvoll, möglichst viel zu übersetzen.

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    • Hallo Illadrion,

      was ist dann mit der Sprawl? Englisch, oder? Auf Twitter schlug jemand die Zersiedlung vor.
      Ich muss(te) schmunzeln.

      Im Übrigen gibt es Real World-Verwendungen des Begriffs ICE.

      Auf Grund meiner beruflichen und privaten Erfahrungen möchte ich Namen und Fachbegriffe nicht
      hin und her übersetzen müssen. Das führt immer wieder zu Fehldeutungen, insbesondere mit Ausländern.
      Das muss muss nicht sein. Mit besagtem Glossar lässt sich die Frage leicht adressieren. Häufig werden ohnehin Übersetzungsglossare erstellt.

      Ich werde beim Original bleiben und weiterhin ICE (Intrusion Countermeasures Electronics) oder IDS/IPS (Intrusion Detection/Prevention System) verwenden.

      Enjoy. Viel Spaß.

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  4. Hi Ingo,

    „was ist dann mit der Sprawl? Englisch, oder? Auf Twitter schlug jemand die Zersiedlung vor.
    Ich muss(te) schmunzeln.“

    Das meine ich ja: Es ergibt bei vielen Worten keinen Sinn, sie zu übersetzen.
    Niemand möchte ein Rollenspiel „Die Zersiedelung“ spielen. Das klingt irgendwie nicht nach Spaß.

    Man muss aber nicht alles im Original belassen.
    Beim deutschsprachigen D&D5 „Player’s Handbook Deutsche Ausgabe“ hätte man den Titel lieber mal übersetzt.

    Ich versuche nur zu verdeutlichen, dass es kein offensichtliches richtig und falsch beim Übersetzen gibt. Was die beste Wahl ist, hängt dann stark vom Leser ab.

    Wem ICE schon vorher ein Begriff war, wird eine Übersetzung nicht mögen, wem es unbekannt war, ist es vielleicht recht egal und wer sich mit Englisch schwer tut, hätte wahrscheinlich lieber eine (versuchte) Übersetzung, auch wenn sie nicht optimal ist.

    Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist warum so vielen das Artwork so gut gefällt. Das ist so gar nicht mein Geschmack. :-D

    Btw ist es ja meistens so, dass wer das Original kennt, mit einer Übersetzung nicht so zufrieden ist, da vieles auch verloren geht. Das ist aber wohl unvermeidlich, genau wie Film-Adaptionen selten gefallen, wenn man das Buch vorher gelesen hat.

    P.S.: Ich bin für kniffligere Mathe-Captchas hier im Blog. :-P

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  5. Danke Illadrion, das beschreibt unsere Vorgehensweise ganz gut–es sind Einzelfallentscheidungen. Das Genre Cyberpunk eignet sich im Vergleich mit anderen auch besonders gut dafür, auch Originalbegriffe drin zu lassen. Im Fantasy-Genre geht das z.B. gar nicht. Stoisch entweder alles oder nichts zu übersetzen funktioniert nicht. Cyberpunk definiert sich u.a. über das Motto „Style over Substance“: „Killer“ klingt besser als „Auftragsmörder“, „Fahrer“ ist genauso langweilig wie „Driver“, „Countdown“ besser als „Zähler“, usw, usw. Klar gibts auch jede Menge Zweifelsfälle, Geschmäcker sind halt verschieden.

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    • Guten Morgen Illadrion,
      guten Morgen Dammi,

      ich habe Invasion im Duden e-nachgeschlagen.
      Elektronisches Invasionsabwehr-System kann(!) man demnach machen. Etwas gelernt (siehe aktualisierter Beitrag). Kewl!

      Heraus kommt allerdings ein toter praxisferner und verwirrender „Kunstbegriff“. Eine wortspielerische Sackgasse, die für einige das Motto „Style over Substance“ erfüllen mag. ICE oder The Sprawl, nicht Der Sprawl, klingen – in meinen Ohren – unendlich viel stylischer. Nebenbei: Warum eigentlich nicht „Stil über/vor Substanz“? Kleiner Scherz.

      Illadrion, man mag grundsätzlich von den Waldemser Übersetzungen halten, was man will, aber Dungeons & Dragons Player’s Handbook – Spielerhandbuch * Deutsche Ausgabe geht nach meinem Dafürhalten in die beschriebene richtige Richtung. Der Namen Dungeons & Dragons Player’s Handbook wurde beibehalten, aber erklärt. Alles gut – in meinen Augen. Mit „D&D5 „Player’s Handbook Deutsche Ausgabe““ unterschlägst Du einen wesentlichen Teil des Titels. Einfach auf das Cover schauen.

      Zweifelsohne gibt es eine Menge Grau, also kein „offensichtliches richtig und falsch“. ICE – Einschiebung/Fußnote wie Elekronisches Eindringlingabwehrsystem (schüttel)/Angriffsabwehrsystem oder akademischer Elektronisches Invasionsabwehr-System und gut ist. Die Kombitnation mit EIS halte ich für halbgaren eingedeutschten Murks wie Der Sprawl. Den fragwürdigen Erhalt (EIS/ICE) eines Wortspiels auf Kosten der „Austauschbarkeit“ oder besser Nachvollziehbarkeit halte ich in vielen Fällen aus praktischen Gründen für einen schlechten Handel. Meine Position. Schöngeister mögen das anders sehen.

      Das BSI, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (ja, das gibt es wirklich), übersetzt z.B. ICS (Industrial Control Systems, ICS; deutsch: industrielle Steuerungssysteme, Automatisierungssysteme) nicht. (Über den Titel des verlinkten Dokuments legen wir besser auch den Mantel der Verschwiegenheit. ICS-Security-Kompendium, auch so eine Schöpfung wie Der Sprawl.) Zugegebenermaßen beschweren sich einige darüber. Man kann es eben nicht jedem recht machen!

      „Killer“ klingt besser als „Auftragsmörder“? Wirklich?
      „Was die beste Wahl ist, hängt dann stark vom Leser ab.“ Ich stimme Illadrion zu und Killer ist kein Name oder Begriff (Akronym) wie ICE.

      Es ist nicht Kankra, sondern Shelob. Es ist Littlefinger und nicht Kleinfinger.
      Es ist ICE und nicht EIS. Es ist The Sprawl (Name; oder übersetzt vielleicht so etwas wie „Die Zersiedlung“. Scherz.) und nicht Der Sprawl.

      Das Verwirrübersetzen von Namen und (technischen) Begriffen nervt und behindert ungemein beim Austausch mit anderen (Ausländern). EIS und ICE liegen phonetisch „dicht“ beieinander, doch spätestens bei der Übertragung der Akronymdefinitionen hört der Spaß auf. Kankra?

      „Das Genre Cyberpunk eignet sich im Vergleich mit anderen auch besonders gut dafür, auch Originalbegriffe drin zu lassen.“
      Ja, genau davon rede ich, Damni. Killer steht beispielsweise a) im Duden und b) Bezahlter Mörder (etc.) ginge auch und klingt ziemlich stylisch.
      Darum geht es nicht, sondern um „feststehende“ Namen und Begriffe. Genau aus diesem Grund lese ich Martins Lied von Eis und Feuer nicht mehr auf Deutsch, zumal ein Glossar fehlt(e).

      „Stoisch entweder alles oder nichts zu übersetzen funktioniert nicht… Klar gibts auch jede Menge Zweifelsfälle, Geschmäcker sind halt verschieden.“ ist ein gutes (Beinahe-)Schlußwort, obwohl es nicht nur um Geschmack, sondern um (meine) ganz praktische(n) „Austausch“-Gründe geht, die etwa mit besagtem Glossar leicht zu adressieren sind. One man’s meat is another man’s poison. Deshalb bleibe – ich – beim Original The Sprawl. Jeder kann für sich selbst entscheiden.

      Wie gesagt: Viel Erfolg. Enjoy.

      PS: Wirklich tolles Artwork für die dt. Ausgabe. Die Quelle interessiert mich. Neu gemacht oder übernommen?
      PPS: Unsereins scheut keine Kosten und Mühen, um knifflig-stylische Captachas (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart; „vollautomatischer öffentlicher Turing-Test zur Unterscheidung von Computern und Menschen“) einbinden zu können.

      Antworten
  6. „Gleite durch die sichersten Computernetze der Großkonzerne. Brich das EIS zwischen dir und deinen Zieldaten.“

    oder

    „Gleite durch die sichersten Computernetze. Brich das ICE* und überwinde die tödlichen Abwehrprogramme der Konzerne“

    Antworten
  7. rillenmanni

    13/10/2017 @ 15:05

    Zweierlei von mir:

    „Shelob“?! – Das ist ja mal ein doofer Name. Kommt das von Lobster? „She-Lobster“ haben sie bei B-52 gerufen, naja quasi, zumindest beflügelt meine Assosziation meine Phantasie. „Kankra“ fand ich spontan den viel besseren Namen für das Spinnending. Manchmal sind Übersetzungen mE ein Segen. (Doof wäre es halt nur, wenn der HdR-Schöpfer in seinem Roman ein Shelob-Gedicht hätte, bei dem sich ganz Vieles auf -ob reimen muss. :) )
    Aber klar, dass ist eben ein Fall von Agree to nicht übereinstimmen.

    „Dungeon & Dragons Player Handbook Deutsche Ausgabe“ – Die Entscheidung für „Player’s Handbook“ lag mE nicht bei Ulisses, sondern beim Lizenzeigner. „Player’s Handbook“ ist nämlich geradezu verwerflich irreführend. Denn nicht alle sind so nah am Hobby dran wie wir. Ich habe nun bei mir ungewollt zwei D&D-Spielerhandbücher rumliegen: D&D5 dt. und D&D 3.5 en. Mein Vater wollte mir was schenken, also nannte ich ihm einen Titel („D&D 5 Player’s Handbook, aber in Deutsch! Das mit dem Titel ist doof!“), der bei mir selbst nur Prio B hatte, der mich aber dennoch interessierte. Und dann brachte mein Vater das englische 3.5er Teil an. Auf mein Erstaunen hin bemerkte auch er, dass er den englischen Titel ergattert hatte und meinte, er habe dem Buchhändler (eine echte Person, deutsch!) schon gesagt, dass er die deutsche Version haben wolle. Aber hey, ich kann den Buchhändler schon verstehen. Der ist nicht am Thema dran, und dann nimmt man, was man, was sich im Katalog aufdrängt. Das wäre garantiert nicht bei „Spielerhandbuch“ passiert.

    Antworten
    • Hallo Rillenmanni, As I said: One man’s meat is another man’s poison!

      Man kann es nicht allen recht machen oder gar alles haben. Wenn schon Kankra, dann vielleicht im Anhang ein Übersetzungsglossar.
      Die paar Seiten können nicht die Welt kosten.

      Keine Ahnung, wie Dein Dad gefragt hat. Mit Spielerhandbuch oder Player’s Handbook Deutsch komme ich zielsicher bei einem sehr großen Onlinehändler zum gewünschten Titel. Ich denke, es hätte auch eine andere Lösung gegeben (Umtauschen?). Ich hoffe, Du kannst dennoch was mit dem Buch anfangen.

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  8. Hey, jedem seine Meinung. Respektvoller Umgang miteinander sollte aber nicht fehlen. Den habe bei dieser Diskussion manchmal vermisst.

    Ich habe beruflich genug mit dem BSI zu tun, da bin ich froh deren Vorgaben nicht auch noch im Hobbybereich folge leisten zu müssen. :)

    Die Artwork ist von David M. Wright, mit dem ich seit Jahren zusammenarbeite. Sie wurde für das Buch neu erstellt.

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    • Dammi,

      es geht nicht um das BSI. Es geht um den Umgang mit „feststehenden“ Namen und Begriffen.
      ICE auf Gedeih und Verderb übersetzen, Der Sprawl verquer eindeutschen, Killer beibehalten usw.
      Ich halte solchen denglischen Kauderwelsch für Murks/Pfusch, der indes lösbar erscheint.
      Auch wenn ich Numenera nicht ab kann, aber über die vielen weirden Neologismen der deutschen Ausgabe durfte
      abgestimmt werden, sagte man mir auf Twitter. Schlimmes Spiel, guter Ansatz.

      „We are not things!“, um mal Mad Max zu zitieren. Nicht alles gelingt oder wird von allen als super befunden.
      Aus der Kritik einen respektlosen (aka persönlichen) Angriff abzuleiten, ist sowohl bedauerlich als auch ein anderes komplexes Thema.
      Unterstellungen, Dinge in den Mund anderer legen, die so nicht gesagt wurden, gehört für mich in das Feld des respektvollen Umgangs.

      Es besteht ein Irrglauben, dass man überein kommen oder einer Meinung sein muss. Muss man nicht.
      Konträre Meinungen können nebeneinander stehen. Daraus wird niemand zum … Das passiert immerzu.

      Das Artwork ist sehr cool, schade, dass ich es nicht ohne das Spiel bekomme. Ebenfalls meine Meinung.

      Antworten
  9. Hey Ingo,

    glaub es oder nicht, worauf Du hinaus willst hatte ich schon beim ersten Mal verstanden. Ich will Dich gar nicht vom Gegenteil überzeugen, ich habe nur Stellung bezogen und meine Meinung erläutert. Diese kannst Du falsch finden soviel Du willst, das stört mich nicht. Wie Du sagst–konträre Meinungen können nebeneinander stehen. Nichts anderes habe ich gemeint.

    Deine Aussagen auf Twitter sind leider gelöscht, ansonsten hätte ich Dir gerne gezeigt warum ich diese als respektlos empfunden habe. Ist aber auch egal, Schwamm drüber.

    Wenn Du das PDF haben willst, schick ich es Dir nach der KS-Kampagne gerne als Freebie. Dann hast Du die Artwork zumindest digital. Ob Du den Text dann liest oder nicht, muss ja keiner wissen (oder doch, du hast ja ein Blog). :)

    LG,

    Dammi

    Antworten
  10. … befremdlicher Blogbeitrag inkl. Diskussion. Aber gut. Das lief auch schon mal anders rum.

    Was Übersetzungen angeht bin ich ja dafür grundsätzlich einzudeutschen (wofür will ich denn sonst ne Übersetzung). Gerade bei sprechenden Namen ist das mMn Pflicht und nicht Kür. (Markennamen ausgenommen.) Abgesehen davon habe ich gern Übersetzungen, die als deutscher Text selbst überzeugen. Wörtliche Übersetzungen, die gar noch den Satzbau der Originalsprache imitieren sind in aller Regel keine gute Idee. Es sei denn es ist das Ziel die Fremdheit des Textes zu betonen (wenn man z.B. den anderen kulturellen Hintergrund des Textes sichtbar machen will). Oft lohnt es sich um die Ecke zu denken und sowohl den inhaltlichen als auch den Wortbedeutungen nachzuspüren. Dass dabei die einfache Rückübersetzung nicht mehr möglich ist, finde ich unproblematisch. Es ist ja (in der Regel) gerade das Ziel, die Inhalte in einen anderen Sprach- und Kulturraum zu vermitteln (der die originalen Kontexte würdigt) und nicht eine Nachbildung anzufertigen. [Deswegen hat mir die deutsche Savage Worlds Übersetzung auch nicht so gefallen: Sie bildet den kumpelhaften Ton der Vorlage nach und kommt auf Deutsch eben nicht vertraut sondern distanzlos rüber.]

    Was „Der Sprawl“ angeht: Bei Cyberpunk-Kram bin ich relativ schmerzfrei. Das war schon Mitte der 90er ein retrofuturisches Genre, bei dem sprachliche Brüche, abstruse Fachworte, asystematische Verschmelzungen verschiedener Sprachen zum guten Ton gehörten. Wobei es auch da stimmige und unstimmige Kombinationen gibt.

    Antworten
    • Athair, guten Morgen.

      Ich stehe auf so etwas – nachvollziehbare Argumentationsketten. Ich denke, ich verstehe worauf Du hinaus willst, aber ich sehe es schlicht anders. Zugegebenermaßen gibt es eine Grauzone.
      Ich spreche viel mit Ausländern, Literatur bevorzuge ich i.d.R. auf Deutsch, Rollenspiele/Spiele klar auf Englisch. Ich sage „nie“ Spielerhandbuch. Es ist das Player’s Handbook.

      Es geht darum, warum ich Der Sprawl nicht unterstütze. Dieser Kauderwelsch, mal Deutsch, mal Englisch wirkt auf mich beliebig. Wie andere das machen, ist mir gleich und ich rotte mich auch nicht mit irgendwem zusammen und rufe zu irgendwelchen Boykotts auf, weil mir angeblich der Satzbau nicht gefällt. Das ist für mich befremdlich. Zudem spreche ich zunächst die Macher direkt an.
      Es gibt Unterschiede.

      Antworten

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