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Gen Con: (Rollen-)Spieler gegen Diskriminierung?

Gen Con. Adrian Swartout, CEO und Eigentümerin der Gen Con LLC, fordert Mike Pence, den republikanischen Gouverneur von Indiana, in einem öffenen Brief auf, die umstrittene Senate Bill 101 (SB 101) zu überdenken.

Gen Con Statement Regarding SB 101 (Image: Adrian Swartout)

Gen Con Statement Regarding SB 101 (Image: Adrian Swartout)

SB 101 wird auch als „religious freedom bill“ bezeichnet. Das kontroverse „Religionsfreiheitsgesetz“ soll Unternehmern in Indiana beispielsweise erlauben, ihre Leistungen gleichgeschlechtlichen Paaren zu verwehren. Der Indystar berichtete am 24.03.2015 darüber.

Die Gen Con-Verantwortliche gehört augenscheinlich nicht zu den Befürwortern dieser Entwicklung.

Legislation that could allow for refusal of service or discrimination against our attendees will have a direct negative impact on the state’s economy, and will factor into our decision-making on hosting the convention in the state of Indiana in future years. We ask that you please reconsider your support of SB 101.“

– Adrian Swartout’s open letter (25. March 2015)

Mit dem Verweis auf die „state economy“ spricht sie eine Sprache, die auch „engstirnigste“ Gesetzesunterstützer verstehen (können). In dem Brief wird darüber hinaus ausgeführt, dass es um einen „estimated annual economic impact of more than $50 million dollars to the city“ und „over 56,000 attendees from more than 40 different countries and all 50 states to the Indiana Convention Center.“ [2014] geht.

„Gen Con proudly welcomes a diverse attendee base, made up of different ethnicities, cultures, beliefs, sexual orientations, gender identities, abilities, and socio-economic backgrounds.“
– Adrian Swartout’s open letter (25. March 2015)

Natürlich geht es auch um wirtschaftliche Interessen, dennoch gibt dieser Stellungnahme wenig hinzuzufügen.

Allerdings gibt sich auch Green Ronin in seiner aktuellen Ankündigung des Blue Rose-Rollenspiels (23.03.2015) ungewöhnlich politisch:

„Now playing games is not going to change the world. That is down to grassroots organizing, voting, and political action. There is a saying though, that all politics is local and our neighborhood is tabletop gaming. We want this to be a better place and we think we can have some effect on it by publishing the right roleplaying game. We want there to be a welcoming place for women, LBGTQ folks, and people of color to enter the hobby. We want to promote the idea that roleplaying games are for everyone, that our hobby—our fun, creative hobby—is something that can bring us together rather than tear us apart.

So why now and why Blue Rose? That’s why.“
Green Ronin’s Blue Rose’s announcement(25. March 2015)

Politik ist in (Rollen-)Spielerkreisen oft verpönt, dennoch kommt es zu solch klaren Stellungnahmen prominenter Szenevertreter. Was sagt das über die Gesellschaft aus, in der sie (wir) leben?

via: Polygon

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12 Kommentare

  1. Was das aussagt? In meinen Augen: Dass wir echte demokratische Beratschlagung und Diskussion noch immer nicht gelernt haben, sondern, dass entweder die Masse oder bestimmte Interessensgruppen sich auch einfach so durchsetzten können. Es geht um Überstimmung, Kampfabstimmung und nicht darum möglichst viele Leute mitzunehmen.

    Kurz: Es bedeutet, dass wir der „extremen“ Demokratie, die z.B. Aristoteles strikt ablehnt und die sich durch den Erfolg von Demagogen auszeichnet, viel näher sind, als mir das lieb ist.

    Möglicherweise liegt das auch daran, dass es mit demokratischen Grundwerten nicht so weit her ist.

    • Was meinst Du mit „demokratischen Grundwerten nicht so weit her ist.“?
      Hast Du einen besseren Vorschlag?

  2. Das lustige ist: Im Grunde genommen betreibt die religiöse Rechte da die Sabotage ihres eigenen Kampfbegriffs vom „Shara-Law“, das es zu verhindern gälte.

    Momentan habe ich den Eindruck, daß unsere transatlantischen Vettern in einem sehr regressiven Zustand sind, was ihre sozialen und politischen Reifeprozesse angeht. Das gilt da für beide Seiten, für die religiöse Rechte ebenso wie für das, was dort als „Linke“ gilt.

    Die einzigen, die da kühlen Kopf bewahren sind die Neocons, und die spielen beide Enden schön gegen die Mitte.

    Was „demokratische Grundwerte“ angeht muß ich Athair recht geben, die sind in den USA stark erodiert, weit stärker noch als bei uns.

    • Gut und schön. Aber reden wir über das Gleiche, wenn wir über “demokratische Grundwerte” sprechen.
      Aus diesem Grund finde ich, dass eine Definition notwendig ist, bevor darüber diskutiert werden kann.

  3. Habe da was Schönes gefunden, dem ich mich anschließen kann:

    „[Ein] Grundethos des grundgesetzlichen Freiheitsbegriffs [das] jede Form atomistischer Bindungslosigkeit oder kollektivistischer Überbindung ausschließt.“ (Scholz 1995, S.42)
    (https://www.lpb-bw.de/publikationen/did_reihe/band22/klein-spethn.htm)

    Damit verbunden ist, dass gesellschaftliche Prozesse unter demokratischer Grundordnung wesentlich Aushandlungssache sind. Diese Aushandlung muss sowohl für das politische Personal als auch von den Bürgern als Wert verstanden werden. Unter der Voraussetzung der Gleichheit ist dann auch die Anerkennung der Legitimität der Interessen der Gegenparteien wichtig.

    Die Folge: Es braucht – besonders wenn es um sozial-gesellschaftliche Grundfragen geht – ein öffentliches Ringen um die richtigen Entscheidungen. Daraus ergibt sich dann wiederum: Bloße Mehrheitsentscheide, Entscheidungen zu Gunsten von Interessensgruppen oder auch Gesprächsverweigerung, bzw. schneller -abbruch sind grundsätzlich keine sinnvollen Optionen.

    (Mit der „Politik der Alternativlosigkeit“ sind wir in Deutschland mMn auch auf keinem guten Pfad unterwegs.)

    (Zur aristotelischen Demokratie- und Demagogenkritik: Die richtet sich gegen „das Fähnlein nach dem Wind richten“ und gegen die „Emotionalisierung“ politischen Austauschs. Beides verhindert von sich selbst absehen zu können.)

    Das wäre jetzt meine kurze Skizze.

  4. Im Grunde genommen betreibt die religiöse Rechte da die Sabotage ihres eigenen Kampfbegriffs

    Bitte? Es geht darum einem muslimischen Schlachter das Recht zu geben, aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch verkaufen zu müssen. Oder einem christlichen Weddbingplanner das Recht einzuräumen, die Nachfrage eines lesbischen Paares abzulehnen. Oder die eines Sikh 24/7 laden Besitzers das Recht einzuräumen, keinen Alkohol zu verkaufen.
    Und dafür nicht verklagt zu werden.

    Diese Gesetzgebung gibt es in zahlreichen Bundesstaaten der USA. Das Recht der einen Gruppe wiegt nicht schwerer als das Recht der anderen. Genau so wie ich gerne Schnitzel esse hat die Dönerbude nebenan das Recht, dieses nicht zu verkaufen. In Indiana könnte ich dafür aber den Dönerbudenbesitzer verklagen, weil ich mich durch seinen religiös begründeten Verzicht auf Schweinefleischverkauf diskriminiert fühle.

    Du schwingst hier die Diskriminierungskeule von (überwiegend) amerik. Schwulen- und Lesbengruppen, ohne auch nur die Hälfte der Hintergründe zu kennen. Aber manchen reicht ja der Begriff USA und so ein Fall, um sofort die moralische Keule zu schwingen und von “ religiöse Rechte“ zu febulieren.
    Verzichtest du eigentlich aufs Tanken – um gegen aufgehängte Homosexuelle an Saudischen Kränen zu demonstrieren?

    • Cyric, wen meinst Du mit „Du“? Ich zeige lediglich auf, dass prominente (Rollen-)Spieler in einem gesellschaftlichen Diskurs Position beziehen.
      Die Quellen sind angegebenen. Vielleicht reichst Du die Grundlagen für Deine Thesen nach.

      Selbstverständlich gibt es „Relgionsfreiheit“. Darüber hinaus gibt es unter anderem auch die Menschenrechtskampagne „My Body My Rights“ von Amnesty International.

      „Being able to make our own decisions about our health, body and sexual life is a basic human right. … Yet all over the world, people are bullied, discriminated against and arrested, simply for making choices about their bodies and their lives.“ (23.03.2015)

      Selbstversändlich sollten die unterschiedlichen Rechte abgewogen werden. Kritiker sehen in diesen Gesetzen eine Diskriminierungsgrundlage und sie beziehen Stellung.
      Religiöse/Intolerante Unternehmen können gerne ein Schild an ihren Laden hängen „Ich bediene keine … / Ich verkaufe kein …“, dann kann jeder selbst entscheiden. (vergleiche: „‘Religious freedom’ bill ditched after amendment is added …

      Nebenbei hast Du das Fragezeichen in der Überschrift gesehen und gemeinhin steht hier Nerdzeugs im Vordergrund. In diesem Fall werden abgegrenzte politische Aspekte berührt.

      Da kann man anderer Meinung sein, dennoch der Ton macht die Musik. Bitte keine Unterstellungen und ggf. Quellen angeben, damit Aussagen/Behauptungen nachvollziehbar bleiben. Danke.

    • Huhu. Etwas langsamer. Zunächst einmal ist „Religous Right“ die Eigenbezeichnung genau jener Gruppe die ich meinte. Das ist keine Diffamierung, kein Kampfbegriff, sondern einfach nur präzise.

      Zwotens: Mach Dich mal mit der Sharia-Law-Kampagne genau jener Gruppierung(en) vertraut. Das ist das, was ich mit der Selbstdemontage meinte, wenn sie jetzt ein Gesetz wie das beschriebene einführen wollen.

      Den regressiven Zustand des Diskursverhaltens in den USA seitens der Extremgruppen an BEIDEN Rändern, den ich schildere, hast Du selbst anekdotisch bestätigt: „Der Ton dort ist überwiegend anekelnd scharf und denunzierend, vor allem von jener Seite, die angeblich für Toleranz eintritt.“

      Mehr hatte ich jetzt eigentlich nicht geschrieben. Die „Diskriminierungskeule“ erschließt sich mir da überhaupt nicht.

  5. „dennoch der Ton macht die Musik.“

    Genau. Auch gegenüber politisch anders Orientierten. Auch die müssen nicht als „religiöse Rechte“ diffamiert werden. Oder? Ich empfinde dieses typisch deutsch Gesäusel im Rahmen so empfundener moralischer Überlegenheit zum Brechen. Und wenn die Argumente fehlen kommt man mit Moral, irgendeinem ‚ismus oder internationalem Recht. Also schwammigen Begriffen oder Dingen, von denen die meisten so wirklich überhaupt keine Ahnung haben, aber bei jeder Gelegenheit wiederholen.

    Meine Replik bezog sich auf den Kommentar von Tagschatten, wie anhand des Zitats in der ersten Zeile erkennbar hätte sein sollen. Aber auch dein Blogeintrag ist nicht so „neutral“ wie du jetzt glauben machen willst. So, wie du schreibst, beziehst du klar Stellung ohne es auszusprechen.
    Auch ein typisch deutsches „Talent“ in Onlinediskussion. Möglichst schwammig bleiben, um dann jede Kritik mit „das habe ich so nicht (wörtlich) gesagt“ hinwegfegen zu können.

    • Ich bin nicht neutral, aber im Vordergrund steht weiterhin besagte Frage „Was sagt das über die Gesellschaft aus, in der sie (wir) leben?“ (wollen?)
      Amnesty bzw. Human Rights Watch kann bei solchen Fragen als Orientierungshilfe dienen. So sehe ich das (bislang).

      Athair hat es in meinen Augen vorbildlich gemacht, auf Nachfrage „belegt“ er seine These/n. Weitere Quellen und Meinungsgrundlagen würde ich begrüßen.

      Früher las ich Dein Blog. Ich glaube, Du warst schon mal hier, dann weißt Du sicherlich, dass ich gemeinhin eher subjektiv (meinungsstark/kontrovers) schreibe, oder?
      Manches ist jedoch nicht ganz so klar … Danke für Dein Feedback.

  6. Ich habe die Diskussion auf amerik. Blogs verfolgt. Da bieten auch Leute reichlich Quellen feil, die nicht der Meinung von GenCon oder Green Ronin sind. Im Hinblick auf die Verfassung wie auf die Rechtslage in anderen Bundesstaaten. Der Ton dort ist überwiegend anekelnd scharf und denunzierend, vor allem von jener Seite, die angeblich für Toleranz eintritt.

    Amnesty wie Human Rights Watch sind Unternehmen, die von öffentlicher Empörung leben. Wie Greenpeace. Interessengesteuert. Nicht mehr und nicht weniger seriöse Quelle als andere große Verbindungen. Auch Stiftungen, Vereine etc. in diesem Umfeld bezahlen verdammt üppige Gehälter an die Mitarbeiter der oberen Ebene… allein ein fehlendes Gewinnstreben ist kein Zeichen für höhere Moral. Ich erinnere da an einen Berliner GF so einer Organisation, der neben dem 6-stelligen Gehalt gleich auch noch seinen Maserati als Firmenwagen unterhielt.

    Das ist kein persönlicher Angriff gegen dich. Sry wenn es so rüber kam. Aber ich finde hocherhobene Zeigefinger in Richtung USA in diesem Zusammenhang unangebracht. Wenn eine demokratisch legitimierte Legislative Gesetze erlässt darauf mit (Boykottan)Drohungen zu reagieren, zeigt für mich ein mangelndes Demokratieverständnis. In Deutschland haben wir dieses Verhalten auch – wie man z.B. gut bei Stuttgart21 sehen konnte.