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Von Stöckchen und Büchern

Von Stöckchen und Büchern: Was liegt momentan auf deinem Nachttisch?

Von Stöckchen und Büchern: Was liegt momentan auf deinem Nachttisch?

Tagschatten. Der Blognachbar ist daran schuld, aber nicht ganz alleine. Madame Nerd-Gedanken trägt ebenfalls ihr Scherflein oder besser Stöckchen dazu bei. Vom Würfelheld fange ich erst gar nicht an. Musste das wirklich sein? Vielen Dank, jetzt fliegt überall dieses Flugholz herum und ich muss es aufheben.

Da sitz ich nun, ich armer Tor, und kann nicht anders als mich diesen drängenden Fragen ebenfalls zu stellen.

1. Wenn dein Leben ein Buch wäre, welches wäre es?
Ich bin keine Fiktion, mein Leben verläuft in anderen Bahnen, aber immer wieder erkenne ich mich zumindest bruchstückhaft in Büchern von Nick Hornby wieder. Die persönlichen Irrungen, Wirrungen und natürlich die „welterklärende“ Musikleidenschaft in High Fidelity wären gar kein so schlechter Anfang, aber auch A Long Way Down hat so seine ganz besonderen Momente.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob IT-Projektmanagement eher an Tom DeMarcos Wien wartet auf Dich oder an George R. R. Martins Das Lied von Eis und Feuer erinnert.
Schlussendlich welchen Sinn hat ein Leben ohne Astrid Lindgrens Pippi(lotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter) Langstrumpf oder Michel aus Lönneberga?

2. Bücher sammeln oder lesen und weg damit?
Sammeln. Von zehn angefangenen Büchern beende ich eines oder auch zwei. Ich betrachte mich selbst eher als auditiven Menschen, bei Hörbüchern liegt die Vollendungsquote etwas höher, denke ich.

3. Das Buch, das dich am meisten bewegt hat?
Stimmungsfrage, aber meist das aktuelle Buch, sobald ich es fertig lesen will. Neben den genannten Titeln kann ich meine Begeisterung für Comics wie Grendel Tales: Four Devils, One Hell (James Robinson, Teddy Kristianson), Grendel Tales: Devil’s Choices (Darko Macan, Edvin Biukovic) oder Scalped (Jason Aaron, R. M. Guéra) nicht verleugnen. Es gibt so viele großartige Titel. Eine vollständige und geordnete Aufzählung sprengt definitiv den Rahmen.

4. Drei Bücher, die du immer und immer wieder lesen könntest?
Bücher noch einmal lesen? Ein geradezu absurder Gedanke. Ich bin zu sehr damit beschäftigt Neues zu entdecken und zu verwerfen – zumal ich eher langsam lese.

Nichtsdestotrotz fange ich immer wieder mal an, ein wenig in den Bänden von George R. R. Martins Das Lied von Eis und Feuer zu lesen, aber diese x-tausend Seiten müssen wirklich nicht noch einmal sein, obwohl die Serie zumindest bis Band 3 (dt. 6) mein absoluter Genrefavorit bleibt.

Indes ertappe ich mich immer wieder mit einem alten Usagi Yojimbo in der Hand. Stan Sakai ist ein ganz, ganz großer Comickünstler in meinen Augen. Seit seiner Entstehung in den 80ern gibt es keine einzige schlechte Story mit dem Samuraihasen – zumindest kenne ich keine. Punkt.

Darüber hinaus verfolgt mich George Orwells 1984 seit der Schule.

5. Welches Buch würdest du gerne einmal verfilmt sehen?
Buchverfilmungen sind schwierig: Blade Runner – ja, gerne. Der Herr der Ringe/Der Hobbit – pfui, nein danke. Kommt also sehr darauf an, wie die Adaption aussieht. Vor Game of Thrones hielt ich die Buchvorlage für unverfilmbar. Irren ist menschlich.

Anstelle von solchen melasseartigen Zukunftsmärchen-Dauerschlaftabletten wie Star Wars-/Star Trek schlage ich eine Verfilmung von Altered Carbon (Richard K. Morgan), Hardwired (Walter Jon Williams) oder When Gravity Fails (George Effinger) vor. Ich lese keine Shadowrun-Romane, aber da gibt es sicherlich die eine oder andere Story, die großen Leinwandzauber verbreiten könnte.

Ed Brubakers Criminal-Reihe hätte in den richtigen Händen garantiert Potenzial. Kommt da nicht eine Serie?

Fafhrd und der Gray Mouser von Fritz Leiber oder der schlaue Cugel von Jack Vance werden sträflich von der Filmindustrie vernachlässigt, stattdessen soll Shannara verfilmt werden. Wahrscheinlich besser so, Sword of Truth…. Aarrgh.

Wie wäre es eigentlich mit Mountains of Madness (H. P. Lovecraft)? Guillermo del Toro (Hellboy, Pans Labyrinth), Dir hätte ich dieses Projekt zugetraut. Bedauerlich, dass daraus wohl nichts mehr wird.

6. Lieblingsdetektiv/-ermittler?
Verflixt schon wieder so ein Ding, wie antworte ich denn darauf? Gordianus, the Finder von Steven Saylor oder stimme ich den Nerd-Gedanken zu, denn Robert van Guliks Richter Di-Geschichten faszinieren. George Simenon, der Erfinder des Kommissars Maigret, schreibt beeindruckend effektiv. Nachvollziehbare Charakterisierungen und spannungsreiche Geschichten brauchen keine 1000 Seiten.
Gereon Rath von Volker Kutscher überzeugte mich mit Der nasse Fisch. Berlin Ende der 20er Jahre – wer braucht da bitteschön Chicago? Jeder Cthulhu-Rollenspieler, der in dieser Zeit spielt, sollte das Buch lesen. Apropos, Plot und Szenario eignen sich nach meinem Dafürhalten hervorragend als Filmstoff, aber wir leben bedauerlicherweise im trostlosen öffentlich-rechtlichen Tatortland. Murks in Serie.

7. Was liegt momentan auf deinem Nachttisch?
Vieles. Meine aktuelle Auswahl:

Niceville (Jonathan Stroud) – Ein gelungener Stilmix aus Action, Thriller und Horror. Fans der Rollenspiele Esoterrorists oder Unknown Armies finden sicherlich die eine oder andere Anregung.

Throne of the Crescent Moon (Saladin Ahmed) – Fafhrd und der Gray Mouser
treffen auf 1001 Nacht, oder so ungefähr. Ein alternder Gelehrter, sein Derwisch-Bodyquard und eine Gestaltwandlerin schlagen sich mit Ghulen herum.

Narrenturm (Andrzej Sapkowski) – Der Autor des Hexers Geralt (wohl besser bekannt als The Witcher) schreibt lesenswerte historische Romane mit einer kleinen Prise Low Fantasy.

Schnneekreuzer (Jacques Lob, Jean-Marc Rochette, Benjamin Legrand) – Noch nicht (an-)gelesen. Französische Dystopie/Utopie, die von dem südkoreanischen Regisseur Bong Joon-Ho mit Tilda Swinton, Ed Harris, Chris Evans und anderen Schauspielern verfilmt wurde. Harvey Weinstein, der amerikanische Vertrieb wollte den Film marktgerecht verstümmeln. Ohne Worte. Ich sage nur Kurosawas Die Sieben Samurai.

8. Optimales Ambiente für die Lektüre eines guten Buches?
Überall, doch am liebsten Bett, wenn jemand anderes neben mir ebenfalls liest.

9. Gibt es ein Genre mit dem man dich jagen kann?
Superhelden und Schwarz-Weiß-Fantasy/Science Fiction/etc.. Hier die Guten, da die Bösen – Ringe, die ein Halbmann in einen Berg werfen muss, damit die Welt oder gar das Universum von dem ach so bösen Obermacker verschont bleibt, aber auch unbefleckt empfangene Jedi-Ritter oder vigilante Vollspacken in hoch erotischen Spandexklamotten wirken in aller Regel auf mich wie Knoblauch, Weihwasser und Kruzifixe auf Vampire. Derlei geht gar nicht (mehr).

10. Welches Buch wolltest du schon immer lesen, bist aber bisher nie dazu gekommen?
Keine Ahnung, wie oft ich den Herrn der Ringe von Tolkien anfing und angeödet wieder beiseite legte. Ich befürchte Der Letzte Mohikaner von Cooper erleidet das gleiche Schicksal, doch die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt. Nicht aufgeben …

Sorry, ich muss weiter. Niceville wartet auf mich. Das Stöckchen kann fangen, wer will.

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2 Kommentare

  1. Wie wäre es eigentlich mit Mountains of Madness (H. P. Lovecraft)? Guillermo del Toro (Hellboy, Pans Labyrinth), Dir hätte ich dieses Projekt zugetraut. Bedauerlich, dass daraus wohl nichts mehr wird.

    Hoppela! Hab ich da was verpaßt? Mein letzter Stand von Oktober war, daß del Toro da immer noch dran ist: http://uk.movies.yahoo.com/guillermo-del-toro-still-hopes-mountains-madness-132100820.html

    Ein Tod des Projekts betrübte mich zutiefst – Lovecrafts Ideenreichtum wird leider zu sehr unter seinem allenfalls okkulten Zugriff auf seine Sprache so verschüttet, daß ich mir Cthulhu nur als Film antun kann. Mein Liebling ist die Fanfilmstummfilmproduktion von Call of Cthulhu und Carpenters In the Mouth of Madness. Das Lowest-Budget-Stück Shunned hat auch so seine Momente und Bilder.

    • In meinen Augen ist es mit den Mountains eine nahezu endlose Berg und Talfahrt.
      So schnell wird wohl nichts daraus.

      Zunächst macht wohl Herr Del Toro ein Reboot von THE HAUNTED MANSION (Disney).

      Kein (weiterer) Kommentar.