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The Sprawl: An ‚Apocalypse‘ Cyberpunk RPG via Kickstarter

The Sprawl: Photo credit: Rebecca Watts. Image manipulation: Aaron Brown (Image: Hamish Cameron (Kickstarter project))

The Sprawl: Photo credit: Rebecca Watts. Image manipulation: Aaron Brown (Image: Hamish Cameron (Kickstarter project))

The Sprawl: Cyberpunk Roleplaying, Powered by the Apocalypse. Mithilfe von Kickstarter strebt Hamish Cameron die Veröffentlichung seines cyberpunkingen Apocalypse World-Hacks im Oktober 2014 an.

Bereits Anfang August, knapp einen Monat vor dem aktuellen Crowdfunding-Projekt, hatte ich über The Sprawl geschrieben. Für das Spiel sprechen zwei Dinge: „Richtiger“ Cyberpunk und die verdientermaßen immer populärer werdende Apocalypse World-Engine.

Shadowrun war nie „wirklich“ Cyberpunk. Dieser Klassiker bewegt sich meines Erachtens zudem immer weiter weg von dieser Wurzel. Remember Tomorrow oder Tech Noir kennen oder gar spielen wohl die Allerwenigsten. Eclipse Phase oder Nova Praxis, transhumanistisch angehauchte Rollenspiele, ersetzen für mich kein Cyberpunk 2013, Hardwired oder When Gravity Fails. Elfenmagier mit automatischen Waffen und Cyberaugen sind gut und schön, aber der „wahre Stoff“ sieht schlicht und ergreifend anders aus. Überdies halte ich das Spielsystem von Shadowrun für übergewichtigen Mumpitz. Von Edition zu Edition wird das System leider nicht schlanker. Ein schnelles Spiel, durchaus polysemantisch gemeint, ist damit nicht möglich.

Flexible Regeln kombiniert mit einer überschaubaren Vorbereitungszeit sorgen dafür, dass Apocalypse World-Systeme genau das bieten. Die Mission The Kurosawa Extraction für The Sprawl zeigt anschaulich, dass ein brauchbares Einstiegsabenteuer keine 60 Seiten benötigt.

Der andauernde Hype um Fate Core lässt mich eher kalt. Mit Fate in der Hand sieht alles nach Aspekten aus. Das muss nicht sein. Auch die Fudge Dice erscheinen mir sonderlich attraktiv. Die Apocalypse World-Sachen (Dungeon World, tremulus, usw.) fühlen sich organischer und intuitiver an. Es werden nicht ständig verkappte Boni/Malusse in Form von Aspekten und Fate Points hin und her geschubst, stattdessen stehen nach meiner Erfahrung situative Fragen der aktuellen Fiktion im Vordergrund.

Hardcore-Cruncher oder Battle Map-Rollenspieler werden vermutlich mit Vincent Bakers Apocalypse-Spielansatz kaum glücklich, aber es ist schon eine feine Sache, wenn sich zumindest ab und zu Qualität durchzusetzen scheint.

Der Kickstarter für The Sprawl finanziert den direkten Zugriff auf die letzte Draft version, zwei illustrierte PDFs (Farbe, Schwarz-weiß) der Regeln, Print-on-Demand (POD) Access und ein paar Audio Files.

Schon sehr beeindruckend, dass zurzeit drei Kickstarter zu Apocalypse World-Rollenspielen – parallel – laufen. Die anderen beiden sind Spirit of 77 (funky 1970s) und Broken World (Post-Apocalypse). Spirit of 77 und The Sprawl sprechen mich am ehesten an.

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2 Kommentare

  1. Ich persönlich bin des Cyberpunks überdrüssig. In einer Welt, in der die Dystopie des Cyberpunks zum größten Teil wahr geworden ist, erschließt sich mir der Reiz, in so einem Setting zu spielen nicht mehr. Man braucht ja doch seine Dosis Eskapismus :) Kannst Du vielleicht noch kurz darlegen, worin *heute* fûr Dich der Reiz eines neuen Cyberpunk-Settings liegt?

    Liebe Grüße,

    Alexander

    • Alexander, es gibt auf Deine Frage keine einfache Antwort. Seit der schwarzen Cyberpunk 2013-Box hat es mir das Genre besonders angetan. Ich teile Deine Wahrnehmung, dass die Realität die Fiktion der 80er und 90er in weiten Teilen eingeholt hat. Doch gehört die Nähe zur „Wirklichkeit“ nicht zur Genredefinition? Ging es dabei nicht schon immer darum, die Gegenwart „ein paar Minuten“ in die Zukunft zu drehen. Dieser Reiz ging für mich nicht verloren.
      Hören wir wg. der prekären Weltlage auf, World of Darkness zu spielen?
      Ich betrachte Rollenspiele in vielerlei Hinsicht als moderne Mythenbildung. Damit dienen auch Cyberpunkgeschichten dem Austausch von „Lebenswirklichkeiten“. Das Plot und die Interaktionen sagen eine Menge über die Spieler und ihre Sicht der Dinge aus (vergleiche z. B. die Perspektiven von Cyberpunk 20xx vs. Cybergeneration). Der Umgang mit Dystopien unterscheidet sich. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein spielerischer Zugang zu manchen Theorien von Noam Chomsky den persönlichen Blickwinkel anreichert. In Anbetracht der Umstände entwickelt dieser Eskapismus einen ganz eigenen Reiz – für mich.