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Metal Heroes – And the Fate of Rock: Interview mit dem Autoren Swen Harder

Metal Heroes - And the Fate of Rock (Image: Mantikore-Verlag)

Metal Heroes – And the Fate of Rock (Image: Mantikore-Verlag)

Der erste Teil dieses Interviews mit Swen Harder beschäftigte sich zunächst mit seinem Fantasy-Abenteuerspielbuch Reiter der Schwarzen Sonne. In der nachfolgenden Fortsetzung widmen wir uns seinem aktuellen Vorhaben – dem kommenden Spielbuch Metal Heroes – And the Fate of Rock! Überdies blicken wir ein wenig über den Tellerrand hinaus und sprechen auch über Spieldesign und Metal beziehungsweise dessen Einflüsse auf das Rollenspielhobby.

Erzähl uns doch bitte ein wenig mehr über Dein aktuelles Projekt Metal Heroes – and the Fate of Rock. Um was geht es genauer?
Das Spielbuch handelt von einem Typen, einem wahren Metal-Verrückten, der eines Tages auserkoren wird, den amtierenden Rock-Gott zu beerben. Um seine Tauglichkeit unter Beweis zu stellen, muss der Gott-Azubi eine Garagenband aus Pasadena zum größten Act des Planeten aufbauen. Natürlich gilt es dabei sämtliche Fallstricke des Business zu meistern, aber auch Freundschaft mit bekannten Musikgrößen zu schließen sowie wegweisende Entscheidungen über Stil, Zusammensetzung und Image der Band zu treffen.

Die Geschichte wird sich allerdings nicht nur um das weltliche Musikgeschäft drehen, sondern hält darüber hinaus einige Überraschungen parat – das ist doch klar!

Was ist der aktuelle Stand. Ohne Dich auf einen Termin festnageln zu wollen, kannst Du uns mehr über die Release-Planung verraten. Ich nehme an, es wird wieder eine normale Ausgabe und eine Special Edition geben. Wie werden sich die Produkte unterscheiden?
Der Stand ist: „In der Entwicklung“. Wenn alles klappt – und es ist ambitioniert – soll Metal Heroes im Oktober 2014 zur Spiel in Essen erscheinen. Ambitioniert deshalb, weil es diesmal nicht nur von mir abhängt, sondern auch an anderen: Dem Buch wird nämlich eine CD beiliegen mit amtlicher Musik zahlreicher bekannter Bands, wie Huntress oder Delain. Insgesamt werden es wohl ein dutzend Tracks sein, die das gesamte Spektrum des Metal abdecken!

Die Special Edition soll – und ich betone soll, denn da ist noch nichts in trockenen Tüchern – eine zweite CD umfassen mit Musik deutscher Nachwuchs- und Undergroundbands. Ich hoffe sehr, dass das alles klappt! Übrigens: Wer in einer solchen Band spielt oder möglichweise eine kennt, darf gerne auf der Seite www.metal-heroes.de vorbeischauen.

Reiter der Schwarzen Sonne (Image: Mantikore-Verlag)

Reiter der Schwarzen Sonne (Image: Mantikore-Verlag)

Wenngleich Metal Heroes – And the Fate of Rock inhaltlich mit Reiter der schwarzen Sonne nichts zu tun hat, gehe ich davon aus, dass Du beispielsweise systemseitig irgendwie auf Dein erstes Abenteuerspielbuch aufbaust? Mit welchen Änderungen oder Weiterentwicklungen dürfen wir rechnen? Ändert sich etwas an der Komplexität des Abenteuerspielbuchs?
Die Komplexität wird deutlich geringer ausfallen. Bei Metal Heroes geht es vordergründig um den Spaß an verrückten Dialogen, durchgeknallten Typen und natürlich dem ganzen Drumherum der Metal-Szene. Insofern wird das Abenteuerblatt deutlich schlichter daherkommen. Schließlich will ich mit Metal Heroes auch Leute ansprechen, die vorher noch nie ein Spielbuch in Händen hielten. Wenn man die Spielregeln isoliert betrachtet, mag dies ein Rückschritt sein, allerdings geht es mir nicht um die Entwicklung einer komplexen Spielmechanik, sondern vielmehr um die Schaffung der perfekten Spielumgebung für das jeweilige Setting. Und jemand, der auf Metal steht, will nicht 30 Seiten Regeln ackern – der will sofort Vollgas geben, oder?

In dieselbe Kerbe schlagen übrigens auch die Illustrationen. Fufu Frauenwahl und ich haben uns diesmal für einen Comic-Look mit klassischen Panels entschieden. So wirken die Bildelemente moderner und actiongeladener.

Metal Heroes – And the Fate of Rock: Rockgott (Image: Mantikore-Verlag)

Metal Heroes – And the Fate of Rock: Rockgott (Image: Mantikore-Verlag)

Siehst Du Dich selbst als Metalhead? In welchem Verhältnis stehst Du eigentlich zum Metal-Genre? Woher kommt nach Deiner Meinung diese enge Bindung zwischen der Metal-Musik, Fantasy und Rollenspielen?
Nein, ich bin sicher kein Metalhead, dazu habe ich viel zu viele „normale“ Platten zu Hause. Es stimmt zwar, dass ich weitaus mehr harte Scheiben als sonst was habe, aber ich mag nicht ausschließlich Metal. Ich bin nicht der Typ, der Musik nach Genre bewertet. Bei mir findet sich genauso Metal und Rock, wie Pop, Klassik oder HipHop.

Zum Ursprung dieser unheiligen Verbindung zwischen Fantasy und Metal müsste man wahrscheinlich einen Sozialanthropologen wie Sam Dunn befragen. Wenn du mich fragst, hat es sicher etliche Gründe, warum so viele Metalheads gerne Rollenspiel machen und diese tiefe Verbindung Fantasy gegenüber verspüren. Zum einen wäre da sicherlich, dass viele Bands in den Anfangszeiten des Metals sich an großen, epischen Themen abgearbeitet haben, wie es sonst kein anderes Musik-Genre tat. Berühmte Marken, wie Dio oder Manowar sind daraus entstanden.
Aber der Kern, so denke ich, ist ein anderer: Metal und Rollenspiele sprechen größtenteils dieselbe Zielgruppe an … Außenseiter. Und zwar den Typ Außenseiter, dem es scheißegal ist, als Außenseiter oder Nerd zu gelten. Außerdem ist dieser Schlag Mensch interessierter und aufgeschlossener anderen Dingen und Individuen gegenüber. Und um beim Rollenspiel nachhaltig Fuß zu fassen, muss man eben diese Einstellung mitbringen.

Du arbeitest bekanntermaßen im Videospielbereich. Stellen Adventure Games wie etwa Brütal Legend eine Inspiration für Dich dar? Nach Jahren „quasi im Untergrund“ sind Adventures gerade wieder ziemlich angesagt. Ich sage nur, das wunderschöne Banner Saga (Stoic) oder die Videospielhits Walking Dead und The Wolf Among Us (beide Telltale Games) „retten“ das vergessene Genre beinahe im Alleingang. Alle genannten Titel warten mit einer starken Story auf. Sie erinnern beinahe an erfolgreiche Fernsehserien. Wie nimmst Du dieses Phänomen wahr? Siehst Du irgendwelche Verbindungen zu Abenteuerspielbüchern oder gar Potenziale?
Jedes gute Spiel, das ich mal gezockt habe, stellt eine Inspiration dar! Wenn ich den Abspann sehe und mich gut unterhalten fühlte, frage ich mich immer: Warum hat dir das Spiel überhaupt Spaß gemacht? Die Antwort ist meistens banal. Aber manchmal eben auch sehr inspirierend.
Das Adventures wieder im Kommen sind, erfreut mich natürlich, da es beweist, dass es zudem noch genügend Leute gibt, die nicht nur rumballern wollen – wogegen ich prinzipiell nichts habe – aber in den letzten Jahren hat sich dieser Typ Spiel, meinem Empfinden nach, zu sehr in den Vordergrund gedrängt.

Witzig fand ich beispielsweise, dass ein Titels wie The Last of us dermaßen für seine Ideen gelobt wurde, obwohl sich seine Innovation darin erschöpft, dass man sich in bestimmten Schlüsselmomenten entscheiden muss, ob man nun dem einen oder dem anderen das Leben rettet, um dann schließlich mit den moralischen Konsequenzen seiner Tat leben zu müssen. Also wenn das bereits reicht, um die Fachpresse in Euphorie zu versetzen, dann haben die vergangenen Jahre der Ego-Shooter-Schwemme wahrlich zu einer Degeneration des Anspruchs geführt – oder die Redakteure haben noch kein Spielbuch gelesen.

Verbindungen von Spielbüchern und Adventures gibt es freilich. Man könnte sicher fast jedes Spielbuch heranziehen und daraus eine veritable Story für ein Action-Adventure basteln.

Reiter der Schwarzen Sonne (Image: Mantikore-Verlag)

Reiter der Schwarzen Sonne (Image: Mantikore-Verlag)

Auf welches Spiel (Abenteuerspielbuch, Rollenspiel, Brett- oder Videospiel) wartest Du persönlich sehnsüchtig und warum?
Derzeit freue ich mich auf gleich drei Spielbücher aus dem Mantikore-Verlag. Leider darf ich dazu nichts verraten – nur so viel: sie sind nicht von mir! Das nächste Brettspiel, das ich gerne auf dem Markt sehe, ist Rock ‘n Rodeo von Matthias Stark. Ein Aufbaustrategiespiel auf Basis eines Festivalmanagers. Mit viele witzigen Ideen und Liebe zum Detail umgesetzt.

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus? Was soll nach Metal Heroes – and the Fate of Rock kommen?
Ich habe immer was am köcheln. Es könnte ein weiteres Spielbuch sein, ein Brett- oder Kartenspiel oder einfach nur eine Soundtrack-CD … lasst euch überraschen!

Vielen Dank für Deine Mühe und Zeit. Weiterhin viel Erfolg! Möchtest Du noch ein paar abschließende Worte an die Fans richten?
(Geil, ich habe schon Fans …) Herzlichen Dank für eure Unterstützung! Bleibt bitte weiterhin ein Teil der großen Rollenspiel-Gemeinde und habt Spaß mit meinen Büchern und Ideen. Wenn ihr Lust habt mich kennenzulernen, dann gibt es dafür übrigens drei perfekte Termine im Jahr: 1. RPC in Köln (Mai), 2. Spiel in Essen (Oktober), 3. MantiCon in Heppenheim (August). Ich freue mich drauf, meine beiden Fans endlich persönlich kennenlernen zu dürfen!

Metal Heroes – And the Fate of Rock ist noch nicht erschienen. Spielbuchspieler, gemeint sind Damen und Herren, und interessierte Metalbands sollten deshalb die Webseiten des Projekts http://www.metal-heroes.de, playharder.de – die Seite des Autoren Swen Harder und natürlich des Herausgebers Mantikore-Verlag im Auge behalten. Der Illustrator, Fufu Frauenwahl, präsentiert sich im Netz nach wie vor auf http://www.fufufrauenwahl.com.

Ich hätte mir Reiter der Schwarzen Sonne wohl nicht gekauft, denn in den allermeisten Fällen mache ich einen großen Bogen um Hobbyprodukte mit dem Siegel Made in Germany. Altmodische Rollenspiele mit und ohne 3W20 stoßen mir bieder und bürokratisch auf. Doch wie bereits mehrfach angedeutet, erwischte mich der Erstling von Swen Harder auf dem richtigen Fuß.

Geht doch – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ich gestehe, dass ich nun erwartungsfreudig auf Metal Heroes – And the Fate of Rock warte. In der Zwischenzeit nehme ich gewiss Reiter der Schwarzen Sonne noch einmal in die Hand. Roots bloody Roots!

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1 Kommentar

  1. [quote]Berühmte Marken, wie Dio […][/quote]

    Arggllll….

    [quote]Aber der Kern, so denke ich, ist ein anderer: Metal und Rollenspiele sprechen größtenteils dieselbe Zielgruppe an … Außenseiter. Und zwar den Typ Außenseiter, dem es scheißegal ist, als Außenseiter oder Nerd zu gelten. [\quote]

    Unter welchem Stein hat der Autor so die letzten 20~30 Jahre verschlafen? Wenn das ironisch gemeint war, sollte man es dazu schreiben.