Artikelformat

Dungeon World & The Barrow: Neue Woche, neues Spiel?!

Dungeon World: Dice (Image: private)

Dungeon World: Dice (Image: private)

In eigener Sache: Ich denke darüber nach, diese Webseite zu schließen. Heute Abend startet eine neue Dungeon World-Runde und ich verliere gerade ein wenig die Lust am Internet und Bloggen. Ich wandere immer mehr in Richtung Twitter.

Warum?

Ich bekomme für mich relevante Informationen schneller und irgendwie auch direkter. Nach meiner Wahrnehmung werden dort andere Umgangsformen gepflegt. Nein, es ist nicht alles besser, aber doch etwas umgänglicher. Meinungen können stehen bleiben und Tugendwächter, „wahre Rollenspieler“ halten sich in Grenzen – zumindest in meinem Einzugsbereich. Zwitschern macht mir einfach mehr Spaß, weil es kurzweilig und unmittelbar ist. Auf Aussagen und Ideen folgen sehr schnell interessante Antworten und Reaktionen.

The Barrow by Mark Smylie (Image: private)

The Barrow by Mark Smylie (Image: private)

Beispiel: Zurzeit lese ich The Barrow von Mark Smylie, dem Macher der ausgezeichneten Artesia-Comics. Die allermeisten Fantasy-Romane empfinde ich als stupide. Dunkle HerrscherInnen, Ringe, 0815 Elfen, Zwerge, Orks und schnetzelnde Überhelden sind nicht so meins – ich kann so etwas nicht mehr lesen ohne Augentinitus zu bekommen. Solche Stereotypenaufgüsse langweilen mich nicht nur, sie sind ärgerlich. Joe Abercrombie und seine Heldenklingen, die heroische „Gralssuche“ nach dem bombigen Ei war arg berechenbar – gähn. Auch Kvothe, der (Super-)Held ohne Spandexanzug und Cape aus Der Name des Windes, entlockt mir lediglich ein müdes Gähnen. Abgebrochen.

Bislang gefällt mir The Barrow ausgesprochen gut. Der eher detaillierte, düstere Roman erzeugt wie A Song of Ice and Fire (1-3) von George R. R. Martin immer wieder das Gefühl, dass niemand sicher ist. Die vielschichtige Welt vibriert auch jenseits Protagonisten, obwohl es oberflächlich betrachtet um ein einfaches Rollenspielplot geht. Stjepan Black-Heart und seine Gefährten finden eine verfluchte Schatzkarte …

Gestern setzte ich kurz meine Eindrücke auf Twitter ab und im Handumdrehen gab es – konstruktive – Kritik, wie ich meine skeptische Sichtweise gegenüber den genannten Hypekandidaten anders darstellen könnte und jede Menge brauchbarer Lesetipps. So erlebe ich Twitter. Für mich gilt weiterhin das Mantra: Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden! Vertrete Deine Position (ggf. mit Nachdruck), aber respektiere andere (Einstellungen). Argumente, keine persönlichen Angriffe.

Gegenwärtig erlebe ich das große weite Internet – insbesondere die deutsche Rollenspiel-Blogszene leider allzu oft borniert: Ich habe recht, alle abweichenden Meinungen sind im unrecht (und doof, liederlich und überhaupt …). Gleichberechtigte widersprüchliche oder gar gegensätzliche Weltsichten sind nicht gestattet – (m)eine Wahrheit, sonst gar nichts.

Darüber hinaus wirkt der stetige Konsensdruck (siehe Star Wars: Edge of the Empire Beginner Box) und das absehbare Schöngerede bestimmter Themen mehr als enervierend. Nehmen wir exemplarisch Splittermond – Die Welt des Uhrwerk Velags. Das Buch ist kaum erschienen, niemand konnte ausführlich damit spielen und schon feiern einige „Rezensionen“ dieses Wunderwerk der Kreativität mit bahnbrechenden Walrossmännern, Samurai-Alben, sinisteren Untotenreichen und Weißen Flecken ab. Beeindruckend, ein Band genügt und Klassiker wie Das Schwarze Auge und Midgard sind kaum noch etwas wert. Jedem eine Welt, wie sie ihm oder ihr gefällt. Doch ganz egal, ob ich diese Rollenspiele persönlich schätze oder nicht, aber derartige Begeisterungsbekundungen kommen doch etwas zu schnell für mich. Eine kleine Nebenfrage: Wie viele „herkömmliche“, eierlegende Fantasy-Wollmilchsau-Rollenspielwelten werden eigentlich noch gebraucht?

Es geht nicht darum, klare eine andere Position zu vertreten, sondern darum wie mit Anderserlebenden und -denkenden umgegangen wird. Punkt. Dabei bleibe ich. Webseiten, die sich im Umgangston vergreifen, streiche ich von meiner Liste. Sollte sich meine Wahrnehmung in der nächsten Zeit erhärten, geht dieses Blog offline. So einfach ist das. Ich denke darüber nach.

Genug geklagt. Nicht die ganze Welt, aber unsere Dungeon World-Runde wartet auf den Barbaren Frael the Hungry. Ich freue sehr mich drauf. Womöglich ergibt sich aus diesen Erfahrungen wieder ein eher motivierendes Blogthema? Schönen Wochenstart.

Weitere interessante Artikel?

  1. Sword & Barrow: Return of Artesia by Mark Smylie?
  2. More Dungeon World! Gonzo For Dungeon World bundle & Skies Over Danbury Kickstarter
  3. Dungeon World Monster Builder is live
  4. Dungeon World: Character Sheets & Goblin Wallpaper
  5. Platz da, DungeonSlayers! Hier kommt Dungeon World!!

15 Kommentare

  1. Ich würde es bedauern wenn dein Blog verschwindet. Hier findet man immer so schön erfrischende andere Dinge.
    Abseits von DSA und D&D.

    • Danke, Desmond. Wir werden sehen, ob ich so weitermachen kann (will). Die „Intoleranz der Szene“ empfinde ich momentan als anstrengend.

      In der Schublade liegt jedenfalls noch mehr „obskures Zeug“.

    • Jetzt gibt es Deinen Blog, der mir sehr gefällt übrigens. Ich gebe den Stab gerne weiter. (Gute Reise in die Berge des Wahnsinns! Ich wäre gerne dabei.)
      Ich schau noch mal, aber mir vergeht zusehends die Lust. Leider. Zwischentief? Keine Ahnung. Bis zum 31. März 14 geht es ziemlich sicher weiter.

      • Danke, aber mit deinen Blog möchte ich mich (noch?) nicht unbedingt messen ;)

        Klar, wenn du keinen Spaß mehr dran hast, macht es natürlich keinen Sinn. Aber ich hoffe einfach mal das es wirklich nur ein Zwischentief ist.

  2. Persönlich finde ich es auch sehr schade, wenn hier die Schotten dicht gemacht werden.
    Ich habe bisher immer sehr interessante Dinge über deinen Blog entdeckt.

    AL

  3. Mal abgesehen davon, daß der „Tod“ eines aktiven Blogs ein allgemeiner Verlust ist, glaube ich auch, daß Du einigen Fehleinschätzungen aufsitzt.

    Twitter – und ich spreche da aus Erfahrung – ist *kein* Medium zum auch nur halbwegs fundierten Austausch. Es ist sehr schwer bis unmöglich, eine Meinung herzuleiten, was gerade bei Ansichten abseits der von Dir zu Recht bekrittelten Konsenssauce, notwendig ist. Wo man sich nicht einig ist, bedarf es eben eines gewissen Aufwands. Gemessen an den Diskussionen die Du hier teils in den Kommentaren führen kannst ist dein Twitteraccount mit allem Respekt eher flach. Twitter ist eigentlich nur Verstärkung der Konsenssauce. Dissens wird i.d.R. (das wird Dir auch noch passieren) despektierlich geäußert und hat kein argumentatives Fundament.

    Zwotens finde ich es schade, daß Du in letzter Zeit Kreide gefressen zu haben scheinst. Wo ist die Wut gegen Peter Jackson? Wann ist das letzte Mal Pathfinder in einer Epistel zur Übung für Geisteskranke degradiert worden? Wo ist das Profil, an dem sich andere Meinungen reiben können, geblieben? Das halbherzige Stänkern gegen Splittermond ist kein Ersatz dafür.

    Diese Zurückhaltung, dieses Kuscheln, dieses zaghafte „Ja aber“ aus drittklassigen Kommunikationsseminaren, das entzündet keinen Diskurs, sondern ist die Ursache für das Huxley’sche Phlegma, daß uns alle überzieht wie Löschschaum. Wäre ich SpliMoler, so ließe mich Deine Meinung nur kalt, die kann ich stehen lassen, d.h. ignorieren, die zwingt mich nicht, meine Position der glücklich strahlenden Augen zu hinterfragen. Ich muß mich nicht positionieren.

    Deine harten Angriffe gegen Pathfinder z.B. haben mich meine Meinung zum Spiel überdenken (und ändern) lassen, weil ich den Furor dahinter ernstnehmen mußte. Laues Baden bringt eben keine Erkenntnis, wir brauchen die Flammen und Funken des Streites, um die Dunkelheit der selbstverschuldeten Ignoranz zu erleuchten.

    Das hätte ich jetzt nicht tweeten können. :)

    • Ich denke, Du hast recht. Eine fundierte und vielleicht eher tiefergehend Diskussion ist Twitter nicht geeignet.
      Aber das brauche ich nicht immer. Um es in Deinen Worten zu sagen, ja, ich habe Kreide gefressen.

      Dissens kostet Kraft.

      Es geht mir im wahrsten Sinne des Wortes auf die Nerven, wenn nicht zwischen Menschen und ihren Meinungen unterschieden wird.
      Das kann ich auch nicht immer, aber dorthin strebe ich immer wieder zurück. Ich kann nur Argumente anbieten, ich kann keine Menschen ändern.

      Bis zum Ende des Monats geht es weiter. Alles weitere wird sich ergeben.

  4. Die Bornierheit bezüglich des einzig wahren Systems, des einzig wahren Settings oder der einzig wahren Art zu spielen ist keine deutsche Erfindung.

    Gerade deshalb ist ein unangepasster Blog sehr wichtig!

    Obwohl meine Ansichten oftmals konträr zu den Deinen liegen finde ich Dein Blog lesenswert!

  5. Ja, wäre schade, dein Blog hat (zusammen mit wenigen anderen) die interessanteren Beiträge und davon eben auch viel eigeninitiativ recherchierter Kram, Interviews etc. (Letzteres ist auch der Kram den ich mit Abstand am liebsten lese). Mach mal ja weiter ;-)

    LG!

  6. Man soll reisende bekanntlich nicht aufhalten, aber vielleicht schreibst uns gelegentlich doch noch ? Ich würde es bedauern verschwänden Du und mit Dir Obskures.de in seiner jetzigen Form vollkommen. Wenn der Wunsch nach Abschluß nicht hier nicht siegt, käme ja vielleicht ein monatlicher Kommentar ö.ä. in Frage ?

    Ich mag Deine Schreibe sehr, auf Twitter wird das so ja leider nicht mehr drin sein.

    Falls Du aber doch entgültig auf anderem Ast absetzt, bleibe ich weiter und gerne in Hörweite. Alles Glück !

  7. Ingo,
    ich war gelegentlich mit dir einer Meinung, andere Male nicht, aber das tut nichts zur Sache. Selbst wenn ich mit dir einer Meinung war, fiel es mir schwer auf deine Blogposts eine wirklich konstruktive Erwiderung zu verfassen, weswegen ich es irgendwann aufgegeben habe.

    Reviews nach dem Schema „X ist scheiße, Y ist besser, A ist am Besten“ kann ich persönlich nur wenig abgewinnen. Ein Review/eine Meinung, welche nicht die Qualitäten eines Werkes selbst in den Fokus rückt, sondern ein anderes Produkt (obwohl vollkommen anders geartet und nicht wirklich vergleichbar) als „überlegen“ zelebriert hat irgendwie etwas von einem Würstchenverkäufer, nicht von jemandem, welcher über ein künstlerisches Werk redet.

    Das soll jetzt kein persönlicher Angriff sein, nur etwas konstruktive Kritik. Wie es so schön heißt „Wie man in den Wald hineinruft…usw.“ – für eine gewisse Qualität der Antworten muss man auch selber etwas liefern. Musst natürlich nicht dieser Meinung sein, aber wäre zumindest interessant im Hinterkopf zu behalten, wenn du weitermachst (egal wo).

    Grüße

    Christian

    P.S.: Über das Problem (nicht nur) unserer Szene, der Indentitätskonstruktion durch Abgrenzung von „der Masse“, muss ich irgendwann auch nochmal einen Artikel schreiben.