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The Great Rock’n Roll Swindle: Biffy Clyro – Opposites & Tocotronic – Wie wir leben wollen

Biffy Clyro - Opposites & Tocotronic - Wie wir leben wollen

Biffy Clyro – Opposites & Tocotronic – Wie wir leben wollen

Ich gestehe, ich bin ein (Musik-)Snob. Einer von diesen Typen, die ihre Musik nicht in Giga- oder Terabyte bemessen – eher so einer aus Nick Hornbys High Fidelity.
Wer seine Platten nach dem Schema „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“ hört, dem gehört es nicht anders.

Nach über 20 Jahren stellte ich vor ein, zwei Monaten den monatlichen Kauf von Musikzeitschriften wie Visions, Rolling Stone und Musikexpress ein. Ich kann dieses stetige Einerlei nicht mehr unterstützen. Stattdessen verlasse ich mich auf meinen Plattenladen oder auf den Flight 13-Katalog. Ja, einen Katalog, denn da weiß ich, was mich erwartet. Der Versender will Tonträger verkaufen, aber ich bezahle nicht für die „journalistische“ Vorauswahl und Meinung.

Frau Potz, eine geschätzte junge deutsche Punk- und Hardcore-Band aus Münster, beschreibt die Situation sehr treffend.

„Steckt euch eure Reviews in den Arsch. Das ist nicht mehr als Vetternwirtschaft, nicht mehr als kalter Fraß, den man nur aufwärmt, auskotzt und vergisst.“
– Frau Potz – Geh Affe, geh

Die Behauptung „Über Musik zu schreiben, ist wie zu Architektur zu tanzen“ mag stimmen, aber ich mache es dennoch, weil ich es kann und Lust dazu habe.

Mein Plattenhändler ruft oft ironisch „Achtung, da kommt der Musikterrorist.“, wenn ich seine Gefilde heimsuche. So be warned! Wir beginnen diesen Reigen mit Biffy Clyro und Tocotronic.

Biffy Clyro – Opposites
Zwischen U2 und Muse sind noch ein paar Stühle frei. Die drei Schotten nehmen Platz mit ihrem neuen Album Opposites. Die ersten zwei, drei Songs rocken so vor sich hin, dass die Radioredakteure der dritten Kanäle (SWR 3,HR 3, etc.) sicherlich ihre Freude daran finden, aber bereits in der Mitte des Albums wird klar, dass es genau darum geht, um den kommerziellen Durchbruch. Die Formel des alternativen Corporate Rock sieht mal wilde (bzw. was viele für dafür halten), mal ruhigere Töne vor. Schlussendlich folgt noch eine kleine Ballade fürs Herz.
Demnächst werden diese drei Hasardeure als Headliner auf einem Festival Deiner Wahl und mit entblößten Oberkörper selbst die wildesten Herzen dazu bewegen, ihre Feuerzeuge rührselig anzuzünden. Wir sind ja so Rock’n Roll. Früher war alles besser? In diesem Fall eindeutig: ja! RAUS
Stattdessen: Bob Mould – Silver Age

Tocotronic – Wie wir leben wollen
Fett produziert! Wenn es so anfängt, dann bedeutet dies oft nichts Gutes. Es gibt diese ewigen Studenten, die es einfach nicht blicken und auch noch nach 20 Jahren an der Hochschule der gescheiterten Existenzen rumhängen und kleine Mädchen (bzw. Buben) mit ihren geistigen Ergüssen beglücken. Es war einmal vor langer Zeit, damals in der dudeligen Welt von The Smith und Morrissey, da war die Welt noch in Ordnung. Nickelbrillenträger vereinigt euch! Debattiert und schwafelt über die Dinge, die lediglich in anderen Leben stattfinden. „Ich will für Dich nüchtern bleiben.“ Ich nicht! Dieses pseudointellektuelle Getue mag den nächstbesten studentischen Groupie in die Falle locken, ich muss es ausmachen oder viel Alkohol trinken, obwohl ich derlei Drogen gar nicht zu mir nehme. Vermutlich ein Leckerbissen für das Feuilleton. Wann endet dieser schallgewordene Größenwahn endlich? Ich will kein Teil dieser berufsjugendlichen Bewegung sein. RAUS
Stattdessen: Kidd Kopphausen oder irgendwas von Gisbert zu Knyphausen.

Quellen:
Biffy Clyro-Homepage
Tocotronic-Homepage

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