Artikelformat

Paintfrog über Games Workshops aktuelle Händlervorgaben

Paintfrog. Das brasilianische Blog berichtet, dass Games Workshop, die britische Space Marine- und Miniaturen-Spieleschmiede, ihren nordamerikanischen „freien und unabhängigen“ Einzelhändlern neue und restriktive Handelsrichtlinien (auch bekannt als “GW Embargo”) vorgibt.

  • In Nordamerika (USA, Canada) dürfen Händler keine Produkte von Games Workshop online vertreiben
  • Produkte (auch Einzelteile: Bitz oder Bits) dürfen ausschließlich in der Originalverpackung und mit Originalbeschriftung veräußert werden
  • Exporte in andere Länder sind untersagt
  • Händler, die diesen Vorgaben nicht genügen, werden nicht beliefert

Selbstredend steht es jedem Hersteller frei, seine Produkte im gesetzlichen Rahmen nach Belieben zu vertreiben.
Dieser einfache Grundsatz gilt allerdings gleichermaßen für Einzelhändler und Endkunden. Es wird niemand gezwungen, diesen Anbieter zu unterstützen.

Die Geschäftspolitik von Games Workshop stellt in der Hobbybranche ein einzigartiges Phänomen dar. Ihre Produkte sind vergleichsweise teuer. In der Szene sind die Gängeleien von Händlern und das „Brainwashing“ von Mitarbeitern und oft sehr jungen Kunden beispiellos. Dennoch oder gerade deshalb agiert das Unternehmen erfolgreich auf dem Markt.

Es wäre interessant zu erfahren, welche Restriktionen der Hersteller in Deutschland etabliert hat.

Natürlich geht es um Geld, damit dürfte ein konzertierter „GW Boykott“ innerhalb kurzer Zeit eine gewisse Wirkung zeigen.

Weitere interessante Artikel?

  1. Games Workshop: The MiniWarGaming Store is closing
  2. Offizielle Stellungnahme: „Games Workshop and the protection of our trademarks“
  3. Games Workshop setzt sein strittiges „Space Marine“-Trademark durch
  4. Games Workshop: „Space Marines“, Starcraft & ein Interview mit der Autorin M.C.A. Hogarth
  5. Games Workshop, Electronic Frontier Foundation, Amazon und die „Space Marines“

4 Kommentare

  1. Die Überlegung GW mit einem Kaufboykott lahm zu legen und ihnen mal zu zeigen, dass ihrer Methoden nicht funktionieren, gibt es schon länger und werden immer wieder aufgewärmt. Das Problem dabei sind aber nicht diese Hobbisten, welche sich über solche Dinge Gedanken machen und auch dazu bereit wären, GW-Produkte für geraume Zeit zu meiden. Das Problem sind die ganzen Teenies, die das Taschengeld von ihren Eltern und Großeltern brav in den nächsten GW-Laden tragen und sich im Grunde einen Dreck dafür interessieren, ob sie nun für 20€ einen Trupp Space Marines Scouts oder nur einen Plastik Chaos General bekommen. Solange GW von diesem Kundenstamm sein Geld bekommt, interessieren sie sich nicht für die erwachsenen Hobbisten.
    Was man nun dagegen machen kann, ist eine persönliche Frage und deswegen auch ein zweischneidiges Schwert:
    Wem es egal ist, was er spielt, der kann natürlich GW einfach links liegen lassen und sich bei anderen Firmen eindecken. Ist man aber ein Fan des GW-Universums, ins besondere des 40k-Universums, so wird das echt schwer, denn da gibt es nichts der gleichen auf dem Markt. Spinnt man nun mal die Sache weiter und es würde zu einem erfolgreichen, WELTWEITEN Boykott von GW kommen, könnte dies im Gegenzug und im „Worst Case“ den Untergang von GW und damit auch des 40k-Universums* zur Folge haben.
    Gut, zu diesem „Worst Case“ würde es wahrscheinlich nie kommen, aber das ist halt wirklich die Frage, die man sich stellen muss.

    Ich spreche nun mal für mich, wie ich meine Situation sehe: Seit über 21 bin ich Fan von GW-Produkten und gehöre seit 2000 zu denjenigen, die den Inq28-Gedanken (Inquisitor im 28 mm-Maßstab) befürworten. Seit damals habe ich mir eine Bitzbox zusammengekauft, die neupreislich weit im 4-stelligen Bereich liegt. Seit ein paar Monaten aber bediene ich mich bei Bitzhändlern auf eBay, was mir und meiner Geldbörse sehr gut tut – naja, mehr oder minder. *hüstel* Aber wenn ich daran denke, dass ich mir wegen ein paar Holstern oder Köpfen die ganze Box kaufen müsste nur um meinen Vorrat auf zu füllen, dann würde ich mir schwer überlegen, ob ich nicht die Sache sein lassen würde.
    Mein Problem ist aber, dass ich das (Blanche-)40k-Universum mag und ich mir kaum einen Ersatz dafür vorstellen könnte. Sicherlich gäbe es ein-zwei alternative Settings, mit denen ich mich anfreunden könnte, doch ob es mich genauso hobbistisch erfüllen würde, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

    So, fertig mit auskotzen. Der Nächste bitte!

    *=Ich reite deswegen ein wenig auf dem 40k-Universum herum, weil man die anderen Settings, also Warhammer Fantasy und Herr der Ringe meiner Meinung nach durchaus und vielleicht sogar noch besser ersetzen kann.

  2. Etwa 1992 gab es schon einmal einen GW-Boykott, der erstaunlich gut funktioniert hat. Damals hat GW versucht, seine Strategie, die die englische unabhängige Spieleladenszene verödet hat, auch in Deutschland anzuwenden.

    In Kurzform: GW vertrieb damals seine Produkte u.a. über Pegasus, WDS und FanPro. Damit hatten sie aber keine Informationen darüber, wo in Deutschland die „GW-Hotspots“ waren, wo genau ihre Spiele und Figuren erfolgreich waren.
    Also nahmen sie Kontakt mit den einzelnen Läden auf und boten ihnen an, sie direkt zu beliefern, zu besseren Konditionen als die deutschen Großhändler es taten. Der Plan war: verlässliche Daten zu sammeln, in welcher Stadt Warhammer + 40.000 so erfolgreich waren, dass sich ein eigener GW-Laden lohnen würde.

    Das perfide an der GW-Strategie war dies: Die Läden wurden zuerst mit tollen Rabatten geködert. Wenn die Kunden ansprangen und die Reihe sich etabliert hatte, wurden die Rabatte gekürzt und Mindestbestellmengen eingeführt. Als Laden konnte man nicht mehr auf GW verzichten und machte das Spiel mit. Um auf den gleichen Gewinnanteil wie früher zu kommen, musst man aber mehr Warhammer-Figuren verkaufen, also machte man mehr Werbung und Einführungsrunden. Bis zur nächsten Rabattkürzung.
    GW verwendete die unabhängigen Läden, um den Markt aufzubauen und Kundenstämme zu schaffen, die sie dann mit dem eigenen Laden (der „zufällig“ in der direkten Nachbarschaft eröffnet wurde und bessere Preise hatte) abschöpfen konnten.
    Wenn dann der GW-Laden die GW-Kunden abgegriffen hatte, war der Restumsatz des unabhängigen Ladens zu klein, um überleben zu können. Die Läden gingen reihenweise pleite.
    GW hatte damit zwei Ziele erreicht: Gewinnmaximierung durch Ausschalten aller Zwischenhändler und — was viel tragischer war — Ausschalten jeder Konkurrenz (P&P Rollenspiel, Battletech, etc), weil es in der Stadt i.d.R. keinen Laden mehr gab, der dieses Angebot führte.
    Der englische Rollenspielmarkt hat sich von dieser Verödung der Szene nie erholt. Früher gab es RPG-Shops auf jeder High Street, heute findet man nur noch GW-Shops.

    Die deutschen Großhändler hatten jedoch mitbekommen, wie GW den englischen und australischen ROLLENSPIELmarkt mit dieser Strategie zerstört hatte*, und haben die Händler gewarnt. (Einerseits, weil GW ihnen den GW-Umsatz wegnehmen wollte, aber auch, weil ohne breit sortierte Rollenspielläden kein Rollenspielgroßhändler existieren kann.)
    Erstaunlich viele Händler haben daraufhin GW aus dem Programm genommen. Der Boykott hielt etwa 6-12 Monate, dann begannen einzelne Läden zu bröckeln, weil GW leider ein zu großer Umsatzbringer gewesen war.
    (Und dann kam Magic The Gathering und hat den Fantasymarkt kräftig aufgemischt und ganz sicher auch die „Invasion“ der GW-eigenen Läden verzögert.)

    In Hannover war der abtrünnige Laden das Fantasy-In am Steintor, wo es irgendwann wieder GW-Turniere usw. gab. Und nach kurzer Zeit hat Games Workshop einen eigenen Laden in Hannover aufgemacht, genau nach dem Muster, das in England so gut geklappt hatte: Auf der anderen Straßenseite des bislang erfolgreichen unabhängigen Ladens! (In Hannover eben am Steintor, wo er bis heute existiert.)
    Die Fantasy-In-Filiale am Steintor musste daraufhin zumachen…

    Die Lehre: Mach dich als Laden niemals von einem Produkt und einen Lieferanten abhängig!

    * In Australien gab noch die Variante, dass jeder neue GW-Laden erstmal massig Gewinnspiele veranstaltete, um Adressen seiner Kunden zu sammeln, und als a) der unabhängige Laden verschwunden war und b) GW genug Adressen hatte, auch der GW-Laden wieder geschlossen wurde und die Kunden zu Mail-Order-Kunden gemacht wurden; GW spare also auch noch die eigenen Ladenmieten und Personalkosten ein…

  3. Über Kurz oder Lang wird GW sicher alle Zwischenhändler ausschalten wollen, sofern die Nebenerscheinungen nicht zu schmerzhaft werden. Ein Online-Vertriebsverbot im Land of the Free ist aber schon ne harte Ansage.

    Umso besser, dass das Angebot an Miniaturen Tabletops derzeit so üppig ist und u.a. auch Dank Crowdfunding stetig weiter wächst. Habe da ohnehin den Verdacht das GW aus dieser Richtung Druck spürt, haben sie doch die Frequenz an Neuerscheinungen deutlich erhöht.