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Games Workshop setzt sein strittiges „Space Marine“-Trademark durch

In the Future, All Space Marines Will Be Warhammer 40K Space Marines, es dürfte bekannt sein, dass das Unternehmen Games Workshop Ltd. keine Engel beheimatet – höchstens blutige.
Die potente Rechtsabteilung versendet immer wieder Abmahnungen, um die vermeintlichen Rechte des Unternehmens durchzusetzen. Alleine aufgrund der Ressourcenübermacht des Konzerns schrecken viele automatisch zurück und geben klein bei.

Der Roman „Spots the Space Marine“ von M.C.A. Hogarth, einer Autorin diverser ebook-Romane, wird von Amazon seit Mitte Dezember 2012 nicht weiter vertrieben, weil Games Workshop juristische Schritte zur Verteidigung ihres Trademarks „Space Marine“ eingeleitet hat.

Die Begrifflichkeit „Space Marine“ entstammt erwartungsgemäß nicht der Kreativabteilung des Spieleherstellers aus Großbritannien. Die Weltraummarines lassen sich bis zu der Kurzgeschichte „Captain Brink of the Space Marines“ von Bob Olsen (Amazing Stories, Volume 7, Number 8, November 1932) zurück verfolgen.

Games Workshop vertreibt nicht nur Spiele mit einem „rechten“, nein faschistischen Unterton, sondern hat augenscheinlich sowohl das Geld als auch die Macht ihre Form von Neusprech (Newspeak) durchzusetzen. Sowohl George Orwell als auch die Propagandamaschinerie der NS-Dikatur kannten die Bedeutung der Sprache „zum Herzen der breiten Masse“.

Es gibt genügend Begriffe, die recht eindeutig den Spieluniversen von Games Workshop zuzuordnen sind, aber z. B. weder Space Marine noch die Alte Welt sollten „einem Unternehmen gehören“, da diese im allgemeinen und historischen Sprachgut verwurzelt sind.

„I used to own a registered trademark. I understand the legal obligations of trademark holders to protect their IP. A Games Workshop trademark of the term “Adeptus Astartes” is completely understandable. But they’ve chosen instead to co-opt the legacy of science fiction writers who laid the groundwork for their success. Even more than I want to save Spots the Space Marine, I want someone to save all space marines for the genre I grew up reading. I want there to be a world where Heinlein and E.E. Smith’s space marines can live alongside mine and everyone else’s, and no one has the hubris to think that they can own a fundamental genre trope and deny it to everyone else.

 

At this point I’m not sure what course to take. I interviewed five lawyers and all of them were willing to take the case, but barring the arrival of a lawyer willing to work pro bono, the costs of beginning legal action start at $2000 and climb into the five-figure realm when it becomes a formal lawsuit. Many of you don’t know me, so you don’t know that I write a business column/web comic for artists; wearing my business hat, it’s hard to countenance putting so much time and energy into saving a novel that hasn’t earned enough to justify it. But this isn’t just about Spots. It’s about science fiction’s loss of one of its foundational tropes.

 

I have very little free time and very little money. But if enough people show up to this fight, I’ll give what I can to serve that trust. And if the response doesn’t equal the level of support I would need, then I still thank you for your help and your well wishes. For now, step one is to talk about this. Pass it on to your favorite news source. Tell your favorite authors or writers’ organizations. To move forward, we need interest. Let’s generate some interest.“
In the Future, All Space Marines Will Be Warhammer 40K Space Marines excerpt of MCA Hogarth blog entry

Es gibt Grenzen für Wirtschaftsinteressen – zumindest besteht eine berechtigte Hoffnung. Wer Produkte von Games Workshop und beispielsweise entsprechend lizenzierte Spiele von Fantasy Flight Games kauft, unterstützt und finanziert damit dieses umstrittene Geschäftsgebaren.

„I have virtually nothing good to say about GW (nor does my friend). GW is a sad, pathetic company that worries more about claiming and defending IP these days than creating and marketing compelling games. In a way, GW is a caricature of the Empire itself – a once great civilization corrupted beyond recognition, driven to tyranny and madness!
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Für mich wird es wieder Zeit darüber – nachzudenken – , sämtliche direkten und auch lizensierten Produkte von Games Workshop und seinen Partnern zu boykottieren.

Mitte/Ende der 90er bis zur dritten Edition des von mir „geliebten“ Brettspiels Space Hulks (eine klare Nachahmung des Aliens-Films) und den Neuauflagen des Warhammer Fantasy RPG machte ich schon einmal einen großen Bogen um das Spielzeug von Games Workshop, weil ich deren suspekten Machenschaften nicht mittragen wollte.
Ich schätze weder das von ihnen verbreitete Gedankengut, ihre Geschäftspraktiken (z. B. mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern) noch ihren höchst manipulativen Umgang mit oft jugendlichen Endkunden.

Der Kunde bestimmt letztendlich mit seinem Geld, was und wen sie oder er fördert. Muss es wirklich Games Workshop sein?

Quellen:
In the Future, All Space Marines Will Be Warhammer 40K Space Marines by MCA Hogarthy
Space Marines (Wikipedia (en))
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9 Kommentare

  1. Die gehen gegen jeden vor der „Space Marines“ in der einen oder anderen Form verwendet? Dann dürften die ja noch viel Spaß mit Blizzard bekommen, weil bei StarCraft laufen ja auch Space Marines rum. Mal schaun wer da gewinnt.

    • Ich denke, es geht nicht so sehr um „Space Marines“ – zumindest für mich. Sowohl das Verhalten von Games Workshop als auch die rechtliche Grundlage für derlei Maßnahmen sind kritisch zu hinterfragen.
      Beispielsweise verwendet Tolkien den Begriff „Eldar“ für Elfen. Sollen jetzt die Erben/Rechteinhaber des Autoren und Sprachwissenschaftler vor Gericht ziehen? Wo endet das?

      Ferner stelle ich die Frage der Kundenverantwortung. Viele kaufen Bio, wählen Grün etc., aber bei den (Lieblings-)Spielsachen schaut man nicht so genau hin.

      „Imperial society galaxy-wide is characterized by religious intolerance, superstition, xenophobia, militarism, and antiscience. Critical thinking is considered a waste of time. Ignorance of anything beyond one’s place in society is common, and for many, desirable. Unquestioning obedience to authority is the greatest virtue. The Age of the Imperium is not an age of reason, but an age of superstition and ignorance.“
      Imperium (Warhammer 40,000) – Wikipedia (07.02.2012)

      Im Kontext zwischen Produkt und Geschäftspolitik stellst sich womöglich die Frage, ob dies tatsächlich satirischen Charakter hat.

      Sollte sich GW durchsetzen, dann weiß ich nicht, ob das Unternehmen nicht auch seine Winkelzüge gegen Blizzard beginnt, aber die Softwareschmiede dürfte ähnlich potent sein.

      Beindruckend, welche Stilblüten Recht und Ordnung so treiben.

  2. Ich denke GW sucht sich die Schlachtfelder aus, auf denen sie auch gewinnen können. Wahrscheinlich darauf bauend, dass Blizzard und Tolkiens Erben nicht auf die Idee kommen würden GW zu verklagen. Aber GW ist ja nur einer von vielen und es gibt wichtigere und schlimmere Dinge, die echt Banane sind. Sobald Nestle das Leitungswasser gehört, sind Space Marines das kleinste aller Probleme.

    • D’accord! Microsoft, Apple, do not evil Google, Nestlé, Monsanto (Nahrungsmittelpatente), oder NRA etc. taugen alle als Aufreger.
      Eine Spielefirma mit Brainwashing-Arbeitsmethoden und anderen dubiosen Praktiken geht unter dem Radar durch?

      Die Spieler „bezahlen“ für das Auftreten des Unternehmens. Was jeder macht, bleibt ihm oder ihr überlassen. Darüber nachzudenken, welche Konsequenzen eine Missachtung hat, finde ich wichtig.

      In meinen Augen ist es keine Lappalie, wenn man versucht, sich der Sprache zu bemächtigen. Gibt es bald Patente auf das Programmkonstrukt, if-then-else?

      Ich möchte keinen Heinlein ohne Space Marine lesen. Das wäre alles andere als doppelplusgut.

    • Leitungswasser und das Unrecht dieser Welt sind hier doch nicht Thema, mit solchen Totschlag Argumenten wird man gefärlich schnell jede Diskussionen abwürgen.
      Diese Art zu relativieren geht gar nicht, dann ist kein Mord die Rede Wert, solange woanders 10 Tote mehr liegen…

      Immerhin passt dieses Thema hier in den Blog und ich bin mir sicher dass es andere Blogs gibt die sich Nestle und den wichtigen Sachen dieser Welt widman.

      Diese fiesen Einschüterungs Mobs, die GW von der Leine läßt, sind das letzte. Passend zu dem faschistoiden Grundton den GWs „Gedankengut“ hat, wird der Haufen zur verbrennender Bücher, Unterhaltungsprodukte und geistiger Güter sicher nur größer, wobei ich mir sehr gut vorstellen kann, dass GW in diesem Fall nicht durchkommen. Gegen Chapterhouse gabs auch schon keinen Endsieg.

      Eigentlich ein guter Moment das, was ich an GW Zeug noch hier hab bei ebay zu verscherbeln und den Betrag der Betroffenen zu spenden.

      • Ich bin selbst hin und hergerissen. Wie gesagt, einzelne Spiele (von früher) schätze ich sehr, doch kenne ich GW-Mitarbeiter persönlich und was die so hinter vor gehaltener Hand berichten, empfinde ich als haarsträubend.

        Ja, Du hast recht. Ich finde auch, dass das Gewerbe von GW in den Rahmen dieses Blogs gehört. Über DSA und den Vertrieb der Groschenromane Landser regen sich viele auf.
        Doch der Spielzeugkrieger und -Panzerhersteller darf machen, was er will? Komisches Gefühl, wenn man „unbezwingbare“ fremdenfeindliche und glorifizierende Superkrieger nicht hinterfragen soll, wenn die Firma immer wieder negativ auffällt.

        ASL wird in der Regel von Erwachsenen gespielt, Warhammer 40k vermutlich in weiten Teilen von Kindern und Jugendlichen. Es geht mir um Achtsamkeit, Diskurs und Diskussion. Monsanto und Nestle sind wirklich an anderer Stelle besser aufgehoben. Ich versuche mich kritisch mit meiner Leidenschaft, dem -besten- Hobby der Welt (neben Yoga!) zu beschäftigen.

        Nachplappern und gekaufte Reviews gibt es bereits. Wie gesagt, Fragen halte ich für wichtig. Die Antwort kann ich ohnehin nur für mich geben.

  3. Geht mir da ähnlich, wir hatten es ja kürzlich noch von Space Hulk… .

    Meine Erfahrungen mit GW Staff beschränken sich auf meine kurzen Stippvisiten, wenn ich mir mal ne Farbe oder Mini kaufen möchte. Und ich finde die Besuche immer furchtbar befremdlich, diese ganze Verkaufsscharade, dieses ständige Forschen nach Ansätzen, wie endlich irgend etwas an den Mann gebracht werden kann.

    Irgendwie fühle ich zu mündig für so einen Dreck.

    Abschließend wären wir wieder an dem Punkt, wegen dem ich deinen Blog so hoch Schätze, der kritischen Auseinandersetzung mit Themenkomplexen. Man muss doch nicht alles fressen, was einem vorgesetzt wird. Kritische Haltung finde ich der (vernetzten) Welt absolut notwendig.

  4. @janusz Genau dieses „Was geht mich das an, mich kümmert nur mein Hobby“-Denken ist Teil des Problems. Verändertes Wording, Patentrechte, Markenrechte, Handelsrechte, Namensrechte etc. hat schon vor langer Zeit seinen Anfang genommen und ist jetzt auch ins eigene Hobby gerutscht. Was die Großen vormachen, machen die Kleinen nach. Schlussendlich kommen die mit den gleichen Argumenten daher und werden am Ende die gleichen Gesetze bemühen, um ihre Position zu vertreten. GW hat zu wenig Macht, um Gesetze in die gewünschte Richtung zu lenken, aber sie sind die Nutznießer.

    Was gar nicht geht ist eher, den großen Zusammenhang zu ignorieren. Am Ende hat man viele kleine Diskussionen und keine Lösung, nur große Augen, wie es im Hobby so weit kommen konnte. Und da GW einer der Großen in der Spiel-Szene ist, kann das auch bei kleineren Verlagen und Herstellern Schule machen. So wie GW halt auch immer wieder gerne damit argumentiert, dass Rechte aktiv geschützt werden müssen, um sie zu wahren und man deswegen gezwungen sei gegen Rechteverletzung vorzugehen. Das Argument haben die nicht erfunden, das haben die nur übernommen, bzw., berufen sich auf entsprechendes Recht.

    Deswegen richtet sich mein Augenmerk nicht nur auf die Kleinen, sondern auch auf die Großen. Mir geht es keinesfalls darum das Thema zu wechseln, nur auf die tatsächliche Größe des Themas aufmerksam zu machen. Allerdings ist es einfacher auf Miniaturen zu verzichten, als auf Wasser, Smartphones, Software etc. Dabei bedeutet Boykott nicht auch unbedingt Veränderung. Heutzutage eher Gewinneinbußen und damit verbunden Einsparung von Kosten durch Personalabbau. Die Thematik ist komplexer, als sie scheint. ^^