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First Impression – Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords – Base Set

Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords - Base Set (privates Foto der Testkopie von Paizo Publishing)

Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords – Base Set (privates Foto der Testkopie von Paizo Publishing)

Paizo. Vermutlich Mitte August 2013, etwa zum Gen Con, erscheint das von Mike Selinker von Lone Shark Games entwickelte kooperative Deckbuilding-Spiel zum Pathfinder-Rollenspiel. Der offizielle Preis liegt bei 59,99 $.

Vorab! Das Spiel beruht auf dem Pathfinder-Rollenspiel. Dementsprechend gehört es inhaltlich nicht zu meinen Favoriten. Allerdings bin ich ebenso davon überzeugt, dass man seine Einstellungen ab und an überprüfen und gegebenenfalls revidieren sollte. Das bald erscheinende Kartenspiel bietet dementsprechend eine gute Möglichkeit, sich dem Spieluniversum erneut anzunähern. Wir spielten 3 Testpartien mit jeweils 4 Spielern.

Worum gehts? 1-4 Helden (die bekannten Valeros, Merisiel & Co.) treten gemeinsam gegen die üblichen Rollenspiel-Herausforderungen, also Monster, Fallen und finstere Magie an. Sie jagen zumindest in den gespielten Szenarien irgendwelche Bosse „durch mehrere Kartendecks“ und bringen diese zur Strecke – so zumindest der Plan. Die bekannte Abenteuer-Kampagne Rise of the Runelords dient als thematische Vorlage, spielt aber in den Einstiegsszenarien eher eine untergeordnete Rolle.

Inhalt. Knapp 500 Karten (Helden, Monster, Schätze, Zauber etc.), das erste Abenteuerdeck Burnt Offerings aus der Rise of the Runelords-Kampagne und 5 Würfel.

Spielvorbereitung. Jeder Spieler wählt einen Charakter aus und stattet diesen mit Ausrüstung, Waffen, Segen, Verbündeten und Zaubersprüchen aus. Auf diese Weise stellt sich jeder Spieler ein individuelles Kartendeck zusammen. Von Spiel zu Spiel steigen die Figuren rollenspieltypisch auf. Bessere Spielwerte, mächtigeres Rüstzeug und stärkere Begleiter veranschaulichen diese Charakterentwicklung.
Parallel dazu gibt jedes Szenario abhängig von der Spielerzahl definierte Orte vor. Für jeden Ort wird entsprechend der Vorgaben ein Kartendeck mit Ausrüstung, Hindernissen, Monstren, Bossen, Handlangern, Segen, Waffen und Rüstungen zusammengestellt. Ein separater szenarioabhängiger Stapel mit Segenskarten fungiert als Aktivierungszähler. Löst das Spielerteam die Aufgabe nicht rechtzeitig, verlieren sie das Spiel.

Die Vorbereitung dauerte zwischen 10-20 Minuten. Mit mehr Spielerfahrung kann dieser Aufwand verkürzt werden.

Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords - Base Set: Merisiel (privates Foto der Testkopie von Paizo Publishing)

Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords – Base Set: Merisiel (privates Foto der Testkopie von Paizo Publishing)

Spielerlebnis. Auf der Suche nach Monstren, Schätzen und dem gegenwärtigen Boss(-Monster/Bösewicht) erkunden die Helden reihum einen Ort ihrer Wahl. Manche Recken, wie etwa der Rogue (Schurke), ziehen idealerweise „alleine“ umher, um ihre Stärken voll auszuspielen. Einige Charaktere gewähren Vorteile, sofern sie sich mit anderen gemeinsam an einem Ort befinden. Jeder füllt während seiner Aktivierung seine Handkarten entsprechend des persönlichen Limits auf und führt eine Aktion (z. B. Erkunden) aus. Im Normalfall sind eine oder mehrere Würfelproben fällig, sobald eine neue Karte aus dem Ortskartendeck aufgedeckt wird. Kämpfe und das Aufnehmen von Gegenständen oder Verbündeten basieren auf diesem durchgängigen Prinzip. Jeder Charakter verfügt dementsprechend über Attribute, Fähigkeiten und spezielle Eigenschaften.
Beispielsweise definiert das Attribut Geschicklichkeit den Würfeltyp (etwa ein 12-seitiger Würfel), Fähigkeiten modifizieren den Wurf und die speziellen Eigenschaften und das Ausspielen von Handkarten beeinflussen ihrerseits das Ergebnis der Probe. Der auf der gegenwärtigen Karte angegebene Wert muss erreicht oder überschritten werden.
Wird der Bösewicht zu früh aufgedeckt, flieht dieser nach einem Kampf in ein anderes zufälliges Ortskartendeck. Deshalb empfiehlt es sich, Orte frühzeitig zu schließen, indem festgelegte Aufgaben schnellstmöglich erfüllt werden. Kann der Oberbösewicht nicht mehr ausbüxen und wird er besiegt, gewinnen die Helden diese Partie und werden belohnt. Wie gesagt, eine Frist, das Segensdeck, begrenzt die Spieldauer.
Das Abenteuerkartenspiel kennt verschiedene Arten des Kartenauspielens, d. h. bei einem Discard landet die gespielte Karte auf dem persönlichen Ablagestapel des Helden, ein Banish nimmt sie ganz aus dem Spiel und Refresh führt sie schließlich zurück ins Heldendeck. Darüber hinaus gibt es noch Bury, die Spielkarte wird unter die Charakterkarte gelegt und kann nach dem Spiel wieder in das Deck des Helden gemischt werden.

Die Testspiele dauerten zwischen 40 und 80 Minuten.

Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords - Base Set: Location Example (privates Foto der Testkopie von Paizo Publishing)

Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords – Base Set: Location Example (privates Foto der Testkopie von Paizo Publishing)

Verdikt. Um es kurz zu machen, das Spiel dauert zu lange für das, was es leistet. Niemand in der Spielrunde war total begeistert, aber auch nicht vollends enttäuscht. Die Helden ziehen von Ort zu Ort, verhindern die Flucht des Bösewichts dorthin und sammeln Schätze und Verbündete. Richtige Spannung kam nie auf, die zweite, spätestens aber die dritte Runde erinnerte eher an Arbeit als an ein spannendes Spiel.
Ortskartendecks „durcherkunden“, Schließbedingung schnellstens erfüllen, Bösewicht finden und niederringen. Zwischendurch – also während der Spielrunden und der Spielvorbereitung gilt es aufzusteigen, möglichst viele hilfreiche Gegenstände und Verbündete in das eigene Deck zu integrieren. Das Spiel erzeugt ein eigenwilliges Kooperationsgefühl. Abgesehen von Segen, die jeder auf die Aktionen seiner Mitspieler ausspielen kann, besteht das Zusammenspiel oft darin, sich gegenseitig nicht im Weg zu stehen.

Erwartungsgemäß wird das Artwork aus den Rollenspielpublikationen gerecycelt, aber Paizo hält auch hier die gewohnt hohe Produktionsqualität. Auf dieser Ebene gibt es wenig zu bemängeln. Der offizielle Preis von etwa 60 $ scheint etwas hoch gegriffen.

Das Pathfinder Adventure Card Game funktioniert, aber richtige Spannung kam zumindest in unseren Testpartien zu keinem Zeitpunkt auf. Selbst die zeitliche Begrenzung durch das Segensdeck erzeugte kaum ein Gefühl der Dringlichkeit oder Notwendigkeit.

Theoretisch sollte der Wiederspielwert recht hoch sein, da weitere Zusatzkartendecks die Rise of the Runelords-Kampagne fortführen werden. Paizo kopiert mit diesen vorsortierten Erweiterungen den Living Card Game-Ansatz von Fantasy Flight Games.

Ich würde das Spiel noch einmal probespielen. Sollte dabei der Ersteindruck bestätigt werden, dann gibt es beispielsweise noch das Der Herr der Ringe: Das Kartenspiel (Fantasy Flight Games, Heidelberger Spieleverlag) als gut spielbare Alternative.

Anhänger des Pathfinder-Rollenspiels oder der Welt Golarion sollten einen eigenen Spieltest wagen. Sie sehen möglicherweise etwas, was ich (wir) nicht sehe(n). Das Pathfinder Adventure Card Game: Rise of the Runelords – Base Set wird seine Fans finden …

UPDATE: Auf Youtube gibt es mit dem Autoren eine Pathfinder Adventure Card Game – Preview von Watch It Played.

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3 Kommentare

  1. In dem Fall wird es ziemlich sicher ne deutsche Version geben, die werd ich abwarten. Spielen werd ich es potentiell nicht, um mich nicht zu spoilern, bin ja gerade im dritten Band!

    • Ahoi, ich empfehle „Pfadfindern“, dass sie sich unbedingt eine eigene Meinung bilden!!!

      Ich kann Dir versichern, dass eine deutsche Version – vermutlich noch dieses Jahr kommt. Ob es so sicher, wie das Armen in der Kirche ist, weiß ich allerdings nicht, aber ziemlich sicher.

      Du brauchst Dir keine Sorgen machen. Im Grundspiel sind 3 (wenn ich mich nicht irre) Einstiegsszenarien und das erste Kartenpack basierend auf dem ersten Rise of the Runelords-Abenteuer.

      Es dürfte demmach keine Spoiler für Dich geben, solange Du nicht Pack 4 spielst.

      Schreib dann einfach mal was, wenn Du dir eine persönliche Meinung bilden konntest. Wir waren überraschend ungerührt von dem Spiel und es waren überzeugte Pathfinder/Rise-Spieler mit am Spieltisch …

  2. Danke für de Hinweis, dann kann ich es mir ja aus dieser Sicht sorglos zulegen. Ob es dann auch Spannung für mich entwickelt, wird sich dann zeigen. Bisher mochte ich Deckaufbauspiele wie Dominion, Thunderstone oder Warhammer: Invasion.