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„Midgard Campaign Setting“ – eine andere Welt für „Pathfinder“, „Dragon Age“ und „Dungeons & Dragons“

"Midgard Campaign Setting"-Cover

„Midgard Campaign Setting“-Cover

„Midgard Campaign Setting“: Sofern alles mit rechten Dingen zugeht, wird der Band Anfang Oktober von Open Design veröffentlicht.
Die neue von Wolfgang Baur, Jeff Grubb und Brandon Hodge maßgeblich gestaltete Spielwelt aus dem Umfeld des Magazins „Kobold Quarterly“ unterstützt die Rollenspielsysteme „Pathfinder“ (Paizo), „Dragon Age“ (Green Ronin) und „Dungeons & Dragons“ (Wizards of the Coast).
Auf Basis verschiedener Ankündigungen und Previews ist davon auszugehen, dass der Fokus eindeutig auf „Pathfinder“ liegen wird.

„Golarion“, die originäre Heimatwelt des „Pathfinder“-Rollenspiels vermag meine Begeisterung nicht recht zu wecken, wenngleich zumindest die ansatzweise vergleichbare „Mystara Gazetteers“-Reihe noch immer einen gewissen nostalgischen Charme versprüht. Der Herausgeber Paizo bzw. „Golarion“ rackert sich monatlich mit zahllosen Produkten ab, dabei bleibt diese Welt jedoch irgendwie ein fader und gesichtsloser Flickenteppich.

The Midgard Campaign Setting is the culmination of five years of adventures and sourcebooks from Kobold Quarterly and Open Design. It brings to life a world of dark fantasy drawn from the great European traditions. Here you will find ley lines and deep magic; the Western Waste’s giant, shambling horrors and magic-blasted landscapes; diabolical gnomes and the schemes of immortal Baba Yaga; wild, wind-riding elves and swashbuckling minotaur corsairs; the Mharoti Empire’s lethal assassins and exotic splendors; and the dragon-haunted crags of the icy Northlands.
– excerpt from the product description of the „Midgard Campaign Setting“

"Midgard Campaign Setting": Example page

„Midgard Campaign Setting“: Example page

Persönlich finde ich deshalb die Pen & Paper-Adaption von „Dragon Age“ wesentlich interessanter und gelungener. Mit etwas Glück beinhaltet das „Midgard Campaign Setting“ einige fabelhafte Anregungen, wenngleich ich befürchte, mit einem weiteren banalen Fantasy-Stückwerk konfrontiert zu werden.

Das Hintergrundmaterial von „Age of Treason“ (Mongoose Publishing für „Legend“ („Runequest“)) gefiel mir im Fantasy-Bereich in den letzten Jahren am besten. Keine Elfen, keine Orks (okay, stimmt nicht ganz), etc., dafür ein kohärentes eigenständiges Weltbild, welches an eine frische, nicht zu exotische Fantasieausgabe des Oströmischen Reichs abgeschmeckt mit einer Prise chinesischem Kaiserpalast („Verbotene Stadt“) einschließlich korrupten Beamtenapparat erinnert. Eine echte kleine Perle, die meines Erachtens viel zu wenig Aufmerksamkeit erhielt.

Das „Midgard Campaign Setting“ wird mutmaßlich breiter und wunderlicher aufgestellt und so soll es auch sein, solange kein abgegriffener und fahrlässig zusammen gestückeltes Flickwerk dabei entsteht.
Die lebhaft durch Projektunterstützer und Forendiskussionen getriebene Produktentwicklung gibt Grund zur Hoffnung.
Die Zeit ist reif für eine abwechslungsreiche und amüsante Spielwelt, die sich nicht zu ernst nimmt und dabei ein gewisses Rückgrat behält. Die Vorabversionen für Unterstützer und Vorschauen untermauern meine gespannte Neugierde. Mantel & Degen-Minotauren klingen doch schon mal vielversprechend …

Quellen:
„Midgard Campaign Setting“ im Kobold Quarterly Onlineshop
„Age of Treason“-Produktseite von Mongoose Publishing (Grundbuch derzeit nicht verfügbar)

Bildnachweis: Bildfreigabe durch den Verlag via Email vom 30.08.2012

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9 Kommentare

  1. Das Setting werde ich mir auf jeden Fall auch einmal ansehen! Ach ja, und irgendwann muss ich auch mal das Dragon Age RPG spielen (ich habe den ersten Teil mit viel Freue auf der PS 3 durchgespielt, die Hintergrundwelt ist schon sehr gut).

    Dass ich bezogen auf Golarion eine andere Meinung habe, weißt Du ja. Wobei ich Dir in Deiner Analyse an einer Stelle allerdings recht gebe: die einzelnen Länder wirken schon sehr für sich, es müsste mehr Anküpfungspunkte und echte Politik geben – als lieblos würde ich Golarion dennoch nicht bezeichnen, es hat viele tolle Ideen, wenn auch die Anleihen bei den Forgotten Realms sehr klar erkennbar sind.

    • Hi,
      bzgl. „Dragon Age“ gefallen mir sowohl die Videospiele als auch die Pen & Paper-Variante recht gut. Es ist miniaturenlastig und das Magiesystem ist schwach. Ansonsten aber sehr nett.

      Ich denke, „Golarion“ wurde vielleicht absichtlich so zusammen gewürfelt. Für mich ist es wie ein Freizeitpark. Es geht von Attraktion zu Attraktion, aber ein Zusammenhang, ein durchgehendes Thema (z. B. Politik) fehlt.
      Die „Realms“ sind zwar sehr erfolgreich, doch „Planescape“, „Krynn“, „Ravenloft“, „Dark Sun“ und „Birthright“ gefallen mir besser.

      Die alte „Warhammer-Welt“ weckt gelungene Assoziationen.

      Viele Mainstream-Ansätze wie z. B. „Aventurien“ wirken diletantisch aufgebaut. Der Kontinent ist beispielsweise so groß wie ein Schuhkarton und was sich da alles so tummelt.
      Das deutsche „Midgard“ geht mit seiner Welt wesentlich reifer um, wie ich finde.

      Danke.
      Bestes
      Ingo

  2. Heyhey,

    Aventurien ist total bekloppt, da sind wir uns einig. Vor allem konterkarikiert es sich mit der Behauptung des fantastischen Realismus selbst.

    Birthright ist super. Ich will seit Jahren Mal wieder eine Birthright-Runde ins Leben rufen (also richtig klassisch mit Herrscher führen Länder und gehen zwischendurch auf Abenteuer), aber mir fehlte bisher leider die Zeit.

    • Ahoi, Wiederkehrer!

      Argumentativ stimme ich dir hinsichtlich „Aventurien“ zu. Die trollige Wortwahl hingegen, sorgte für ein, zwei Gedanken, ob ich es so stehen lasse.

      Ich habe mich dafür entschieden. Es wäre schön, wenn ein „Aventurier“ Stellung beziehen würde.

      Eröffne ich eine kritische Diskussion mit einer Beleidigung störe ich ein ohnehin sensibles Gefüge. Mir bereitete der Kommentar eines „DSAlers“ wg. meinem Spott viel Freude.
      So möchte ich es weiterhin hier halten.
      Kritische Auseindersetzung jederzeit gerne, Beleidigungen versuche ich zu vermeiden.

      „Birthright“ hat dieses feiste „Highlander“- Feeling für mich. Hast Du Dich mal mit „Earthdawn“ beschäftigt? Es könnte Dir gefallen, wenn ich mich nicht täusche.
      Das Spiel ist mir mal wieder zu komplex, aber die Welt ist eine sehr, sehr gut durchdachte „Überarbeitung“ des „D&D“ – Paradigmas.
      Beispielsweise gibt es einen Grund für Dungeons …

      Vielen Dank.
      Auf bald.
      Bestes
      Ingo

      • Was ist trollig? Das Etikett „bekloppt“, das ich verleihe oder Dein Hinweis („dilettantisch“). ;)
        Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Ich weiß ja auch, wie DSAler über D&Dler reden…

        Earthdawn habe ich nur einmal gespielt, da war ich 16 oder so. Ich kenns nicht gut, muss ich sagen.

        • Ahoi, Dein Etikett irritiert mich, wenngleich Dein Bezug zum gebrochenen fantastischen Realismus sehr gut sachlich umschreibt, welches Problem ich mit „DSA“ habe. Für mich passt da wenig zusammen. „Bekloppt“ wirkt für mich allerdings beleidigend in einer Form, die eine Diskussion niederdrückt.
          Tausche doch mal „DSA“ mit einem Spiel Deiner Wahl wie z. B. „Pathfinder“ aus. Was empfindest du dabei?
          Ich kritisiere dieses Spiel sehr, weil es in meinen Augen eine kreativarme Kopie, eine Epigone darstellt. Der Ton macht die Musik, um gleichfalls einen Sinnspruch für meine Zwecke einzuspannen.
          Ich fühle mich nicht wohl mit einem „ungehobelten“ Ton. Scharf gerne, giftig lieber nicht.

          „Earthdawn“ ist was Besonderes unter den ganzen High Fantasy-Spielen.
          Alleine die Weltbeschreibung und der Umgang mit magischen Gegenständen sollte meines Erachtens jedem „D&Dler“ zu denken geben. „DSAlern“ schadet ein Exkurs nach „Barsaive“ ebenfalls nicht. Eine besser durchdachte „hochmagische“ und dabei auch noch glaubwürdige Spielwelt kommt mir ad hoc nicht in den Sinn.
          Wenn das System nur etwas minimalistischer wäre. Meine Freunde spielen es mit Begeisterung und obwohl ich eher der Low Fantasy Typ mit Neigung zu einfachen Regeln bin, gestehe ich, dass ihre Ausführungen und ihr Enthusiasmus immer wieder auf mich überspringen. Interessant…

          Danke.
          Bestes
          Ingo

  3. Also ich finde „dilettantisch“ tatsächlich nicht weniger scharf als bekloppt. Aber falls jemand Pathfinder als „bekloppt“ titulierte, ist mir das ehrlich gesagt jück. Ich würde sicher meine Meinung zum Besten geben, aber es würde mich nicht treffen oder so.

    Ich bin da abgehärtet, aber auch zuweilen vielleicht etwas giftig, weil ich früher in einem RPG-Umfeld unterwegs war, in dem eine große Arroganz gegenüber Battlemapnutzern, Dungeonmögern und ergebnisoffenem Spiel zu verspüren war. Man wurde dann doch schnell in eine „schlechter Spieler“-Schublade gesteckt.

    Das kam dann oft aus ner Ecke von DSAlern, die noch dazu nicht mal andere Spiele oder Spielstile kannten. Arroganz gepaart mit Ahnungslosigkeit. Daher greine ich auch gerne etwas rauer zurück. ;)

  4. Hi,

    gegenwärtig teile ich Deine Meinung bzgl. „bekloppt“ und „dilettantisch“ nicht ganz, aber darum geht es nicht.
    Ich werde entsprechend über Deine Sichtweise nachdenken und in Zukunft anders argumentieren. Wir können diese Diskussion gerne in einem anderen Rahmen fortsetzen.
    An dieser Stelle würde ich gerne zum “Midgard Campaign Setting” zurückkehren und es dabei belassen.

    Danke. Bestes
    Ingo

  5. Du sinnierst zuviel! :)
    Ich werde mich indes um angemessenere Sprache bemühen, wenn ich hier zu Gast bin!
    Ansonsten: Back to topic!